In der Korruptionsaffäre um Israels größtes Telekommunikationsunternehmen Bezeq ist angeblich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als Verdächtiger verhört worden. Das berichten mehrere israelische Medien. Am Morgen seien zwei Polizeiwagen vor seiner Residenz vorgefahren, parallel sei seine Frau in einer Polizeistation befragt worden.

Netanjahu hat schon länger mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen. Bisher dementierte er und sprach von einer Kampagne gegen ihn und seine Familie.

Netanjahu und seine Vertrauten sollen dem Unternehmen wirtschaftliche Vorteile verschafft haben. Er habe versucht, "eine Internetseite mit dem Ziel einer besseren Berichterstattung einzuspannen", sagte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft. Netanjahu war bis zum vergangenen Jahr auch Kommunikationsminister.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass im Fall Bezeq ein einstiger Wegbegleiter Netanjahus als Kronzeuge gegen ihn aussagen will. Schlomo Filber, Ex-Generaldirektor des Kommunikationsministeriums, und andere Netanjahu-Vertraute waren zuvor vorübergehend festgenommen worden. Dabei ging es unter anderem um den Verdacht der Korruption, des Betrugs und der Behinderung der Justiz.

Staatsanwaltschaft empfiehlt Anklage gegen Netanjahu

Im Februar hatte die israelische Polizei der Staatsanwaltschaft empfohlen, Ministerpräsident Netanjahu wegen Korruption anzuklagen. In der Untersuchung ging es um illegale Schenkungen in Höhe von 100.000 Dollar, die Netanjahu vom Hollywoodproduzenten Arnon Milchan und weiteren Unterstützern erhalten haben soll. In einem Fall wird Netanjahu und seiner Frau Sara vorgeworfen, Zigarren, Whiskey und Schmuck im Wert von mehreren Hunderttausend Israelischen Schekel (mehr als 20.000 Euro) angenommen zu haben.

Auch in einem weiteren Fall soll Netanjahu versucht haben, unrechtmäßig Einfluss auf die Medienberichterstattung zu nehmen. Dafür habe er mit einem Verleger geheime Absprachen getroffen, um sich eine positivere Darstellung in der regierungskritischen, auflagenstarken Zeitung Yediot Ahronoth zu sichern.