Am Samstag ist es so weit. Überall in den USA wollen Schülerinnen und Schüler für schärfere Waffengesetze demonstrieren. In allen 50 Bundesstaaten haben Aktivisten Versammlungen angemeldet, allein zum March For Our Lives in der Hauptstadt Washington werden Zehntausende Demonstranten erwartet. Es könnte der bisherige Höhepunkt der neuen Antiwaffen-Bewegung werden, die durch das Massaker an 17 Menschen an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland entstanden ist.

Vor allem die Überlebenden des Attentats in Florida treiben die Proteste voran. Seit Wochen sorgen sie dafür, dass die lockeren Waffengesetze nicht wie so oft in Vergessenheit geraten. Durch Kundgebungen, Interviews und via Social Media halten sie den Druck auf die Gesetzgeber aufrecht. Statt der üblichen "Gedanken und Gebete", die Kongressabgeordnete verlässlich nach jeder Massenschießerei per Twitter an die Opfer aussenden, verlangen die Parkland-Schüler konkrete Veränderungen. Die übliche Trauerrhetorik reicht ihnen nicht – und das zeigen sie auch.

Manche Parkland-Schüler haben es durch ihre Auftritte mittlerweile zu internationaler Bekanntheit gebracht, wie die 18-jährige Emma González, deren Wutrede um die Welt ging. Prominente wie George Clooney, Jimmy Kimmel, Ariana Grande und Miley Cyrus unterstützen die Parkland-Schüler und wollen am Samstag mit auf die Straße gehen.

Doch was ihre politischen Forderungen angeht, so haben die Waffengegner bislang wenig erreicht. Die Widerstandskraft des Status quo ist groß.

Kosmetische Korrekturen

Im US-Kongress einigten sich Republikaner und Demokraten lediglich darauf, Waffenkäufer künftig etwas besser zu überprüfen. Dafür sollen die Datenbanken verbessert werden, in die Bundesbehörden beispielsweise Vorstrafen eintragen und die eigentlich vor jedem Waffenkauf abgefragt werden müssen. Das Repräsentantenhaus verabschiedete zudem einen Gesetzesentwurf, der rund 50 Millionen Dollar für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an Schulen bereitstellen würde. Beide Initiativen genießen weitreichende Unterstützung. Auch die mächtige Waffenlobby NRA hat keine Einwände.

Dass diese kleinen Korrekturen das Problem der Schulmassaker beenden werden, glauben allerdings nicht einmal die Verfasser der Gesetze: "Niemand sollte so tun, als wäre dieses Gesetz allein eine angemessene Reaktion auf diese Epidemie", sagte der demokratische Senator Chris Murphy, einer der Mitverfasser des Antrags für eine bessere Überprüfung von Waffenkäufern. Auch sein Kollege Richard Blumenthal räumte ein: "Alleine wird es nicht ausreichen."

Das sehen auch die Parkland-Schüler so. Ihre Forderungen gehen deutlich weiter. Sie verlangen ein Verbot halbautomatischer Sturmgewehre, eine Beschränkung des Fassungsvermögens von Waffenmagazinen und eine wirklich umfassende Überprüfung jedes potenziellen Waffenkäufers. Diese Forderungen werden seit Jahren nach jeder Massenschießerei von den Gegnern der laxen US-Waffengesetze erhoben – und dann ebenso zuverlässig abgeschmettert.

Das wollen die Parkland-Schülerinnen und -Schüler nun ändern. Dafür setzen sie nicht nur auf die angekündigten Massendemonstrationen am Samstag, sondern auch auf das direkte Gespräch mit Abgeordneten. Bereits am heutigen Freitag will eine Gruppe von rund 200 Parkland-Schülern mit Kongressmitgliedern ins Gespräch kommen. Nancy Pelosi, die Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus, hat bereits einem Treffen zugestimmt.

Unterstützt werden die Schüler auch von Gabby Giffords. Der ehemaligen Abgeordneten, der vor sieben Jahren ein junger Mann während einer Veranstaltung in ihrem Wahlkreis aus nächster Nähe in den Kopf schoss. Sechs Menschen kamen bei dem Angriff ums Leben, Giffords aber überlebte und arbeitet seitdem als Aktivistin für ein schärferes Waffenrecht. Ihre Organisation greift den Parkland-Überlebenden organisatorisch und auch finanziell unter die Arme. Ihre Stiftung bezahlte zum Beispiel die Flüge für die 200 Schüler nach Washington.