Tausende Palästinenser haben im Gazastreifen an der Grenze zu Israel protestiert. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften, bei denen nach palästinensischen Angaben mehrere Menschen getötet wurden. Das Gesundheitsministerium in Gaza sprach von 14 Toten und mehr als 1.000 Verletzten. Die meisten von ihnen wurden demnach durch Tränengas verletzt. Laut der israelischen Armee wurde nur auf Menschen geschossen, die den Grenzzaun angegriffen hätten. Zwei der Toten seien Agenten der radikalislamischen Hamas gewesen.

Das israelische Militär schrieb auf Twitter, dass etwa 17.000 Palästinenser an fünf verschiedenen Stellen im Gazastreifen protestierten. "Die Randalierer rollen brennende Räder und schleudern Brandbomben und Steine gegen den Sicherheitszaun und israelische Truppen." Die israelischen Soldaten reagierten, indem sie die Proteste zerstreuten und auf die Rädelsführer schossen, hieß es weiter. Im Norden des Gazastreifens hätten außerdem Terroristen versucht, den Zaun zu überqueren, schrieb die Armee auf Twitter. Die Armee habe sie aus Panzern beschossen.

Das israelische Militär forderte die Einwohner Gazas auf, von dem Sicherheitszaun fernzubleiben. Die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen herrscht, nutze Frauen und Kinder aus, indem sie sie zum Sicherheitszaun schicke, um dort zu demonstrieren. Andere würden dazu angestiftet, den Zaun zu erklimmen. Auf Twitter berichtete das Militär vom Fall eines sieben Jahre alten Mädchens, das von der Hamas über den Zaun geschickt worden sei. Die Armee habe das Kind wieder zu seinen Eltern gebracht. Außerdem hätten Terroristen versucht, den Zaun zu überqueren, schrieb die Armee auf Twitter. 

Die Hamas hatte zu den Protesten unter dem Motto "Marsch der Rückkehr" aufgerufen. Die Proteste sollen bis zum 15. Mai dauern. An diesem Tag finden in Israel die Feiern zum 70. Jahrestag der Staatsgründung statt. Am selben Tag begeht die Hamas den sogenannten Nakba-Tag. An diesem "Tag der Katastrophe" erinnern die Palästinenser an ihre Flucht oder Vertreibung während des Krieges von 1948. Die Hamas erkennt die Existenz Israels nicht an. Sie fordert, dass palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das israelische Staatsgebiet zurückkehren dürfen. Israel lehnt das ab.

Scharfschützen an Grenze postiert

Bereits vor Beginn der Proteste hatten israelische Soldaten palästinensischen Angaben zufolge einen Palästinenser erschossen, der sich dem Grenzzaun genähert hatte. Das Gesundheitsministerium in Gaza teilte mit, ein 27-jähriger Bauer sei in der Nähe von Chan Junis im Süden des Palästinensergebiets durch Artilleriebeschuss getötet worden. Ein weiterer Bauer wurde demnach verletzt. Die israelische Armee teilte zu dem Vorfall mit, ein Panzer habe in der Nacht das Feuer auf zwei Verdächtige eröffnet, die sich im südlichen Teil des Küstengebiets dem Sicherheitszaun genähert hätten.

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte die Palästinenser im Vorfeld davor gewarnt, sich dem Grenzzaun zu nähern. "Jeder, der sich dem Zaun nähert, riskiert sein Leben", schrieb Lieberman auf Twitter auf Arabisch. Nach einem Bericht der israelischen Nachrichtenseite Ynet hatte Israels Armee bereits vor den Protesten über 100 Scharfschützen in der Nähe der Grenze postiert. Nach Angaben des Militärs wurde die Truppenzahl an der Grenze zum Gazastreifen verdoppelt. Israels Militärsprecher Ronen Manelis sagte vor den Protesten, Israel wolle Gewalt vermeiden. Das Militär werde aber nicht zulassen, dass die Mengen den Zaun durchbrächen oder Militäreinrichtungen beschädigten.