Das Holocaust-Museum in Washington hat Myanmars faktischer Staatschefin Aung San Suu Kyi den Elie-Wiesel-Preis für Menschenrechte entzogen. Grund sei Suu Kyis Versagen, die seit Monaten andauernden ethnischen Säuberungen der muslimischen Minderheit der Rohingya entschieden zu kritisieren oder gar zu stoppen. Suu Kyi hatte den Preis 2012 erhalten.

"Wir hatten gehofft dass Sie, als jemand den wir und viele andere für Ihr Engagement für globale Menschenrechte gefeiert haben, etwas dafür tun würden, die brutale militärische Kampagne zu verurteilen und zu stoppen und Solidarität mit der betroffenen Rohingya-Bevölkerung zu bekunden", schrieb das Museum in einem Brief an Suu Kyi, den es auf seiner Internetseite veröffentlichte.

Myanmars Armee geht im nördlichen Bundesstaat Rakhine seit August mit brutaler Gewalt gegen die muslimische Minderheit vor. Fast 700.000 Menschen sind ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Die Vereinten Nationen stuften das Vorgehen als ethnische Säuberungen an. Die Regierung in Myanmar rechtfertigt das Vorgehen damit, lediglich auf Angriffe von Rohingya-Aufständischen zu reagieren. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in dem Land betrachten die Rohingya als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele Rohingya schon seit Generationen in dem südostasiatischen Land leben.

Suu Kyi setzte sich während der Militärdiktatur für eine Demokratisierung ein und verbrachte viele Jahre unter Hausarrest. Für ihr Engagement erhielt sie 1991 den Friedensnobelpreis. 2015 gewann ihre Partei die Wahl, und sie wurde zur De-facto-Staatschefin. Wegen ihres langen Schweigens zur Rohingya-Krise steht sie international in der Kritik. In Myanmar wird sie aber immer noch als Freiheitsikone verehrt.

Der Elli-Wiesel-Preis wird seit 2011 jährlich vergeben und ist nach dem Museums-Mitgründer und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel benannt. Preisträgerin 2017 ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.