Es war am 20. Januar. Bei einer Demo für den rechtspopulistischen Politiker Geert Wilders liefen 700 seiner Sympathisanten durch das Zentrum Rotterdams. In der zweitgrößten Stadt der Niederlande protestierten sie gegen "die Diskriminierung von Niederländern" und "die Islamisierung der Niederlande". Obwohl die Veranstaltung Teil von Wilders Kampagne für die Kommunalwahl in Rotterdam am 21. März war, kamen die meisten Demonstranten von außerhalb. Da waren Anhänger der flämischen rechtsextremen Partei Vlaams Belang, des niederländischen Pegida-Ablegers und Mitglieder anderer niederländischer rechtsextremer Organisationen. Etwa 200 Meter vor dem Mahnmal für die Opfer des Naziwiderstands schwenkten Männer und Frauen die umstrittene orange-weiß-blaue Prinzenfahne, in den Dreißiger- und Vierzigerjahren das Sinnbild des Niederländischen Nationalsozialistischen Bundes.

Auf der Lijnbaan, der zentralen Einkaufsstraße Rotterdams, traten zwei junge Mädchen, etwa 16 Jahre alt, mit ausländischen Wurzeln, an einen der Demonstranten heran. "Warum müssen wir raus?", fragte eine der beiden. Die Antworten des Mannes filmten die Mädchen mit dem Smartphone. Der Wilders-Unterstützer hatte jedoch nicht viel zu sagen. Er zeigte nur das Schild, das er in die Luft hielt in die Kamera. Darauf der Text: "Kein Dschihad in unserer Stadt."

Diese aufgeheizte Stimmung steht exemplarisch für die polarisierte Gesellschaft in den Niederlanden. Die nationale Identitätsdebatte beherrscht wie vor einem Jahr bei den Parlamentswahlen auch die Kommunalwahlen. Damals prognostizierten viele Europäer, dass Geert Wilders die Parlamentswahlen gewinnt und dass andere rechtspopulistische Parteien Europas seinen Erfolg kopieren könnten. Es kam anders. Wilders verlor die Wahl. Seine Partij voor de Vrijheid (PVV) wurde mit Abstand zweitstärkste Partei und nahm nicht an der Regierungsbildung teil, die mit 225 Tagen die längste in der Geschichte des Landes war.

Nach den Parlamentswahlen hatte Wilders angekündigt, seine Aufmerksamkeit voll auf die Kommunalwahlen 2018 zu richten. Die PVV ist deshalb am Mittwoch dieser Woche in 30 Gemeinden wählbar, neben Rotterdam auch in Almere, Utrecht und Den Haag. Rotterdam, die große Hafenstadt der Niederlande, ist ein politisch besonders umkämpftes Gebiet. Wilders hat hier starke Konkurrenz durch Leefbaar Rotterdam, eine rechtspopulistische Partei, die seit 16 Jahren fast bei allen Wahlen immer etwa 30 Prozent der Stimmen bekommen hat und zweimal in der Stadt Regierungsverantwortung übernahm. Auch jetzt ist Leefbaar an der Macht in Rotterdam, weshalb Wilders gegen eine ihm ideologisch ähnliche Gruppierung antreten muss.

Als Reaktion auf die Wahlankündigung von Wilders hat Leefbaar eine Allianz mit dem jungen nationalen Politiker Thierry Baudet geschlossen, der mit seiner neuen, ebenfalls rechtskonservativen Partei laut landesweiten Umfragen ähnlich beliebt ist wie Wilders PVV. Obwohl Baudets Forum voor Democratie ähnlich radikal auftritt wie Wilders PVV, gilt er vielen als "salonfähige Variante" des Rassisten Wilders. In Rotterdam kommt es also zum Kräftemessen gleich mehrerer rechter Parteien bei einer Wahl.

Die Stadt von Pim Fortuyn


Rechtspopulismus ist in Rotterdam Mainstream geworden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2002 bekam Leefbaar, die Partei des ermordeten Politikers Pim Fortuyn, 35 Prozent der Stimmen. Zum ersten Mal seit dem Ersten Weltkrieg war die sozialdemokratische Partij van de Arbeid (PvdA) damals kein Teil der Stadtregierung mehr. Seitdem wechseln sich PvdA und Leefbaar in Rotterdam als stärkste Kraft ab. Aktuellen Umfragen zufolge werden die Sozialdemokraten diesmal viele Stimmen verlieren. Leefbaar würde laut Umfragen stärkste Kraft bleiben, bräuchte aber noch drei oder vier Partner, um eine Koalition zu bilden.