Für den Moment ist die Einladung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, die US-Präsident Donald Trump annehmen will, ein diplomatischer Coup auf höchster Ebene: Irgendwann in den kommenden Wochen wollen sich die beiden exzentrischen Staatschefs treffen. Kim soll sich zur nuklearen Abrüstung bereit erklärt haben, Atom- und Raketentests würden vorerst ausgesetzt. Es klingt wie die Art von Deal, von der Trump so oft erzählt, es brauche dafür nur den richtigen Mann. Also ihn, weil niemand sonst so etwas möglich machen kann.

Nichts spricht gegen den Versuch, mit Nordkorea ins Gespräch zu kommen. Im Gegenteil. Alles spricht dafür, denn die Alternative, Kims atomare Ambitionen zu bremsen, würde in einen Krieg führen, den niemand gewinnen kann. Es gibt keine militärische Option, mit der sich der Diktator stoppen ließe. Ihm eine "blutige Nase" zu verpassen, wie die Strategie eines begrenzten Präventivangriffs oft genannt wurde, wird nicht funktionieren. Kims Reaktion wäre unvorhersehbar – oder besser: Sie wäre vorhersehbar gewaltig genug, um es besser bleiben zu lassen. Das Regime in Pjöngjang lässt sich nicht abschrecken.

Zuletzt war zumindest Trump dennoch sicher, dass nichts anderes helfen würde. 25 Jahre lang hätten die USA versucht, mit Nordkorea zu sprechen und dabei immer wie "Deppen" ausgesehen. In der Diplomatie schien der US-Präsident keinen Wert zu sehen, beschimpfte abwechselnd Kim per Twitter oder diskreditierte auf demselben Kanal die Bemühungen seines Außenministers Rex Tillerson, die Möglichkeit für Gespräche wenigstens offen zu halten. Und Trumps Drohungen ließen keinen Zweifel: Die "völlige Zerstörung" Nordkoreas blieb für ihn offenbar ein probates, wenn auch letztes Mittel.

So kann der Eindruck entstehen, Trumps Härte habe den unbezwingbaren Diktator auf den richtigen Weg gebracht. Jedenfalls verkauft er es so. Und völlig falsch ist die Annahme ja nicht, dass Diplomatie immer nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn andernfalls Konsequenzen drohen – positive wie negative. Allerdings ist noch gar nicht klar, was genau die beiden Mächtigen zu verhandeln gedenken. Oder genauer: was die USA anzubieten haben.

Kim ist nicht der kleine Verrückte

Denn man kann es auch so sehen, dass der Triumph erst einmal Kim gehört. Trumps Zusage für das Gipfeltreffen ist für Kim die ultimative Anerkennung auf internationaler Ebene. Mit dem Atomprogramm wollte er immer vor allem sein Regime legitimieren und dessen Überleben garantieren. Kims Beweggründe sind viel rationaler, als die beliebten Späße über den vermeintlich "verrückten Diktator" glauben machen. Er will eine Sicherheitsgarantie, die dem Besitz der Bombe gleichkommt, und hat bereits von einer möglichen Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel gesprochen. Der Preis dafür wäre fraglos hoch.

Womöglich ist es also eher so, dass Kim mit den Fortschritten seines Waffenprogramms die Welt zu Verhandlungen gezwungen hat, als dass der Druck auf ihn zu groß geworden wäre – auch wenn die Sanktionen das Land beträchtlich schwächen.

Zudem ist klar, dass eine atomare Abrüstung Nordkoreas kein Deal wäre, den Trump und Kim einfach so unter sich ausmachen könnten. Südkorea würde nicht leichtfertig den Schutz der USA aufgeben, was eine denkbare Bedingung wäre. China würde nicht zulassen, das ohne seine Einbindung Fakten geschaffen werden. Und Nordkorea selbst ist kaum zu trauen, nachdem es schon zu oft Versprechungen über sein Atomprogramm gebrochen hat. Die Gefahr ist groß, dass Kim nur in die diplomatische Offensive geht, um sich einen Vorteil zu erpressen.

Alles andere als ein transparenter und umfassender Prozess, der es ermöglichen würde, Nordkoreas Abrüstung zweifelsfrei nachzuvollziehen, wäre deshalb eine Niederlage. Ob Trump dafür einen Plan hat, lässt sich ziemlich sicher beantworten: Nein, hat er nicht. Den werden andere aufstellen müssen. Wobei US-Diplomaten von seiner eiligen Zusage zu einem Gipfeltreffen bereits völlig aufgeschreckt sind. Ganz offensichtlich gab es keinerlei Koordination mit dem Außenministerium, das ohnehin personell und inhaltlich geschröpft ist. Die Voraussetzungen für ein mögliches Abkommen mit Nordkorea, das sicher jahrelange komplexe Verhandlungen erfordern würde, sind also nicht die besten. Und Trump traut man die Geduld dafür ohnehin nicht zu.