Der erste Hilfskonvoi, der seit Beginn der syrischen Offensive in Ostghuta eingetroffen ist, hat seine Mission vorzeitig beenden müssen. Wegen anhaltenden Beschusses des Gebiets hätten die mehr als 40 Lastwagen nicht vollständig entladen werden können, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes. Nach neun Stunden Aufenthalt hätten sie sich wegen der unsicheren Lage am Abend zurückgezogen. Dem Team gehe es gut. Einer der Hilfskräfte sagte, zehn Lastwagen seien noch vollständig verschlossen, vier weitere hätten nur teilweise entladen werden können.

Der internationale Hilfskonvoi von UN und Rotem Kreuz hatte am Vormittag einen Kontrollpunkt der syrischen Armee passiert. Syrische Behörden hätten allerdings den größten Teil der medizinischen Güter des Hilfstransports zurückgehalten, sagte ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation WHO. Nach UN-Angaben hat die syrische Regierung zugestimmt, den Rest der Ladung in drei Tagen nach Ostghuta zu lassen.

Die syrische Armee und ihre Verbündeten setzten ihre Bodenoffensive auf Ostghuta fort und haben Beobachtern zufolge mehr als ein Drittel der umkämpften Enklave unter ihre Kontrolle gebracht. Seit Beginn der Luftangriffe auf das Gebiet vor zwei Wochen seien mehr als 700 Menschen getötet worden, teilte die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Seit einer Woche gilt in Ostghuta eine tägliche mehrstündige Feuerpause, um Hilfslieferungen und die Bergung von Verletzten zu ermöglichen. Die humanitäre Feuerpause führte zwar zu einem Rückgang der Gewalt, bewirkte aber nicht das Ende der Luftangriffe. Auf Druck Russlands war eine Passage in die Resolution des UN-Sicherheitsrats aufgenommen worden, wonach die Feuerpause nicht für Dschihadistengruppen wie den "Islamischen Staat" (IS) gilt.

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron forderte bei einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Regierung in Moskau müsse Druck auf das "syrische Regime" ausüben, damit die Luftangriffe und die Belagerung von Zivilisten aufhörten. Hilfslieferungen müssten ungehindert Zivilisten erreichen.