Aus der Parlamentswahl in Italien ist die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung nach bisherigem Zwischenergebnis als stärkste Partei hervorgegangen. Nach Auszählung von knapp zwei Dritteln der Wahlkreise komme die Protestpartei in der Abgeordnetenkammer auf gut 31 Prozent der Stimmen, teilte das Innenministerium mit. Die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo liegt damit deutlich vor den Sozialdemokraten (PD) von Ministerpräsident Paolo Gentiloni.

Die fremdenfeindliche Lega überholte den Hochrechnungen zufolge die Forza Italia von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi. Die Lega von Matteo Salvini erreicht 18,5 Prozent, die Forza Italia 13,6 Prozent. Beide bilden mit kleineren rechten Parteien ein Mitte-rechts-Bündnis, das zwar stärkste Kraft wird, die für die Regierungsbildung nötige Mehrheit aber verfehlt. 

Die PD kommt nach dem Zwischenergebnis auf 19,5 Prozent. Das von den Sozialdemokraten angeführte Linksbündnis erreicht demnach 24,5 bis 27,5 Prozent der Stimmen.

Keine Partei erreicht Mehrheit

Damit erreichte keine Partei und auch kein Bündnis eine Mehrheit der Sitze in Abgeordnetenhaus und Senat. Wie erwartet zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab: Für eine Mehrheit im Parlament müssen eine Partei oder ein Bündnis auf mindestens 316 von insgesamt 630 Sitzen in der Abgeordnetenkammer kommen und im Senat mindestens 158 von 315 Sitzen besetzen. Populistische und euroskeptische Parteien kämen nur zusammengenommen auf etwa 50 Prozent der Stimmen.

Ein offizielles Endergebnis wird am Montagmittag erwartet. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 73 Prozent, etwas unter dem Wert von 2013.

Sowohl die PD als auch die Forza Italia hatten eine große Koalition im Vorfeld ausgeschlossen. Die Fünf-Sterne-Bewegung schließt jegliches Bündnis aus.

Die vor der Wahl eingegangenen Vereinbarungen sind in Italien aber nicht bindend. Das Parlament kommt am 23. März zu seiner ersten Sitzung zusammen. Erst danach können Koalitionsverhandlungen beginnen.

Feierstimmung bei der Fünf-Sterne-Bewegung

Bei der Fünf-Sterne-Bewegung, die für ihre Fundamentalopposition bekannt ist, herrschte schon in der Nacht Freudenstimmung. "Jetzt müssen alle mit uns reden", sagte Alessandro Di Battista, der in Italien zu den bekanntesten Politikern der Bewegung gehört. Er sprach von einem Triumph, falls die Prognosen sich bestätigen sollten. Der Abgeordnete Alfonso Bonafede bezeichnete das gute Abschneiden als historische Tatsache.  

Der Fraktionschef der Sozialdemokraten, Ettore Rosato, sprach für seine Partei von einer Niederlage, die in der Opposition enden werde.

Der ehemalige Regierungschef Berlusconi hätte, selbst wenn sein Bündnis eine Mehrheit bekommen hätte, nicht erneut Regierungschef werden können: Als verurteilter Steuerbetrüger darf er nicht kandidieren. Er hat dafür einen engen Gefolgsmann, den derzeitigen EU-Parlamentspräsidenten Antonio Tajani, als Premierkandidaten auserkoren.

In der EU wird eine politische Lähmung Italiens befürchtet. Der hitzige Wahlkampf in der drittgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion war in den vergangenen Wochen von den Themen Migration, Innere Sicherheit und Wirtschaft dominiert. Italien ist wirtschaftlich noch immer angeschlagen und mit mehr als 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts so hoch verschuldet wie kaum ein anderes Land.