Der peruanische Präsident Pedro Pablo Kuczynski hat in einer Fernsehansprache seinen Rücktritt angekündigt. Damit kam er einem für diesen Donnerstag geplanten Amtsenthebungsverfahren wegen des Vorwurfs der Annahme von Schmiergeldern zuvor. Sein Amt übernimmt verfassungsgemäß der bisherige erste Vizepräsident Martín Vizcarra, der Peru derzeit als Botschafter in Kanada dient. 

Kuczynski warf der Opposition vor, Schuld an seinem Rücktritt zu sein. Die Opposition mit einer Mehrheit der Sitze im Parlament habe vom ersten Tag seiner Amtszeit an die Regierungsarbeit blockiert, sagte er in der Ansprache. "Die politische Auseinandersetzung hat ein Klima der Unregierbarkeit erzeugt, in dem wir nicht weiterarbeiten können."

Oppositionspolitiker hatten zuvor geheim aufgenommene Videos öffentlich gemacht. Darin sollen Minister und Anhänger Kuczynskis zu sehen sein, die im Gegenzug für Stimmen gegen die Amtsenthebung öffentliche Bauprojekte anbieten. Daraufhin hatten peruanischen Medienberichten zufolge mehrere Parlamentarier dem Präsidenten ihre Unterstützung aufgekündigt.

Das Verfahren zur Amtsenthebung hatte Oppositionspolitikerin Keiko Fujimori, Tochter des ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori, angestoßen. Bei der Wahl 2016 hatte sie mit einer Differenz von 0,25 Prozentpunkten die Präsidentschaftswahlen gegen den liberalen Kuczynski verloren. Mit einem ersten Amtsenthebungsverfahren im Dezember war die Opposition unter Keiko Fujimori gescheitert.

Kuczynski soll in den Korruptionsskandal um den brasilianischen Konzern Odebrecht verwickelt sein. Er hatte bislang jegliches Fehlverhalten bestritten und einen Rücktritt ausgeschlossen. Odebrecht hat im Rahmen eines Vergleichs mit dem US-Justizministerium 2016 eingestanden, an Amtsträger in Lateinamerika Bestechungsgelder von 800 Millionen Dollar gezahlt zu haben, darunter 29 Millionen Dollar an Politiker in Peru.