Der ehemalige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont hat keinerlei Pläne, politisches Asyl in Deutschland zu beantragen. Das sagte sein Anwalt, Jaume Alonso-Cuevillas, im katalanischen Rundfunk. Allerdings betonte der Jurist zugleich, dass man zusammen mit Puigdemonts deutschen Anwälten "alles" prüfen werde. "Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht, wir können nichts ausschließen", sagte der Anwalt laut der spanischen Nachrichtenagentur Europa Press dem TV-Sender TV3.

Puigdemont war am Sonntag auf der Rückreise von Finnland nach Belgien an der deutsch-dänischen Grenze festgenommen worden. Der Katalane war mit europäischem Haftbefehl gesucht worden, nachdem er im Oktober die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien ausgerufen hatte. Die spanische Justiz leitete daraufhin Ermittlungen gegen Puigdemont und andere führende Separatisten ein, als Folge setzte sich Puigdemont nach Belgien ab. Am vergangenen Freitag eröffnete der oberste Gerichtshof in Spanien ein Strafverfahren gegen Puigdemont und weitere Regionalpolitiker wegen Rebellion, Veruntreuung oder Gehorsamsverweigerung. Ihnen drohen bis zu 25 Jahre Haft.

Derzeit sitzt der 55-Jährige in der Justizvollzugsanstalt Neumünster, wo er zunächst einem Amtsrichter vorgeführt werden soll. Nach Angaben einer Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft werde dieser zunächst die Identität Puigdemonts prüfen und gegebenenfalls eine Festhalteanordnung erlassen. Dann werde die Anklage prüfen, ob die Voraussetzungen für den Erlass eines Auslieferungshaftbefehls vorliegen." Die Entscheidung über die Auslieferung trifft dann das Oberlandesgericht in Schleswig.

Das werde aber kaum mehr in dieser Woche passieren, heißt es seitens der Generalstaatsanwaltschaft. Demnach gibt es eine Frist von 60 Tagen, die ein Festgenommener bei einer Auslieferungsfrage in Haft bleiben darf. Es gebe aber keine Pflicht, diese Frist einzuhalten, viele Auslieferungsverfahren würden länger dauern. In diesem Fall sei aber nicht damit zu rechnen, dass die Frist ausgeschöpft wird. 

Spanische Regierung begrüßt Festnahme

Die spanische Regierung begrüßte die Festnahme von Puigdemont. Dies sei eine "gute Nachricht" und zeige, dass die Institutionen funktionierten, zitierte die spanische Nachrichtenagentur Europa Pres die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría

Die Bundesregierung unterstützte die spanische Regierung. "Spanien ist ein demokratischer Rechtsstaat", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Es sei die Überzeugung der Bundesregierung, dass der Katalonien-Konflikt innerhalb der spanischen Rechts- und Verfassungsordnung gelöst werden müsse. "Und aus diesem Grund haben wir in den vergangenen Monaten die klare Haltung der spanischen Regierung zur Gewährleistung dieser Rechts- und Verfassungsordnung auch unterstützt", fügte Seibert hinzu.