Die Türkei hat nach Worten von Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit einer Offensive in der nordirakischen Region Sindschar begonnen. "Wir haben gesagt, dass wir dorthin gehen. Nun ist die Operation dort gestartet. Der Kampf ist intern und extern", sagte Erdoğan am Sonntag in der Schwarzmeerstadt Trabzon.

Das irakische Verteidigungsministerium dementierte diese Angaben und erklärte, dass keine ausländischen Truppen in den Irak gelangt sind. Gleichwohl wurden weitere Truppen in den  kurdischen Distrikt Sindschar gesandt.

In der vergangenen Woche hatte die türkische Luftwaffe Stellungen der PKK im Nordirak angegriffen und nach Armeeangaben mindestens zwölf kurdische Kämpfer getötet. Daraufhin erklärte die Union Kurdischer Gemeinschaften (KCK), dass sich kurdische Milizen aus der nordirakischen Stadt Sindschar zurückziehen wollen. Die KCK wird von den Behörden als ziviler Arm der PKK eingestuft.

In Sindschar leben vor allem Mitglieder der religiösen Minderheit der Jesiden. Kurdische Kämpfer hatten 2015 die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus der Stadt vertrieben und die Region seitdem kontrolliert.

Seit Mitte Januar geht die Türkei verstärkt gegen kurdische Kämpfer vor, etwa in Syrien gegen Einheiten der YPG-Miliz, die sie als Ableger der PKK betrachtet. Erdoğan will nach eigenen Angaben "Terroristen innerhalb und außerhalb der Türkei bekämpfen". Demnach will er verhindern, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet. Neben Afrin und Sindschar solle seine Armee auch die kurdisch kontrollierte Stadt Tel Rifat im Nordwesten Syriens einnehmen.

Die PKK wird sowohl von der Türkei als auch von der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft seit den 1980er-Jahren für mehr Autonomie im Südosten der Türkei. Mehr als 40.000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet.