Russland will die britischen Sanktionen wegen des Giftganschlags auf einen früheren Doppelagenten Sergej Skripal mit Vergeltung beantworten. "Die britische Regierung hat sich für die Konfrontation mit Russland entschieden", erklärte das russische Außenministerium in Moskau. "Unsere Antwort wird nicht auf sich warten lassen." Das Außenministerium warf Großbritannien "feindliche Maßnahmen" und eine "antirussische Kampagne" vor.

Ähnlich reagierte der russische Botschafter in London, Alexander Yakovenko: "Wir betrachten diese feindselige Aktion als völlig inakzeptabel, ungerechtfertigt und kurzsichtig", teilte er mit.

Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, sagte, Russland lehne "die Sprache von Ultimaten ab". Die Regierung wies darauf hin, dass das Nervengift auch von einem anderen früheren Land der Sowjetunion kommen könne. Zum Beispiel aus der Ukraine – einem Feind Russlands.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Mittwoch Strafmaßnahmen gegen Russland angekündigt. Dazu gehören unter anderem die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten und der Abbruch bilateraler Beziehungen mit Moskau. May sagte, der russische Staat sei des versuchten Mordes an Skripal und seiner Tochter Julia schuldig.

Zudem warnte britische Regierung ihre Bürger vor "antibritischen Ansichten und Schikanen" in Russland. Briten sollten sich bei Reisen nach Russland über die Sicherheitslage und die politische Situation informieren, schrieb das britische Außenministerium auf seiner Website.

Merkel warnt vor Abbruch der Beziehungen

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von Russland volle Zusammenarbeit und Transparenz zur Aufklärung des Giftanschlags in Großbritannien gefordert. "Wir nehmen die Befunde der britischen Regierung sehr ernst", sagte Merkel in der ARD. Die EU werde eine einheitliche Position beziehen, fügte sie mit Hinweis auf den EU-Gipfel kommende Woche hinzu. Man müsse mit Russland immer wieder sprechen, aber es gebe große Meinungsverschiedenheiten und eine Vielzahl von Konflikten. Merkel nannte etwa das russische Vorgehen in Syrien oder der Ostukraine.

Zugleich warnte die am Mittwoch für eine vierte Amtszeit vereidigte Kanzlerin vor dem völligen Abbruch der Beziehungen zu Moskau. "Man muss ja auch mit den russischen Verantwortlichen immer wieder sprechen, trotz aller Meinungsverschiedenheiten", sagte sie.