Großbritannien will die bilateralen Beziehungen zu Russland aussetzen. Zudem werde man wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal 23 russische Diplomaten ausweisen, sagte Premierministerin Theresa May vor dem britischen Parlament. Bei den Ausgewiesenen handele es sich nach britischer Einschätzung um Geheimdienstmitarbeiter, sagte May laut Guardian. Die Diplomaten hätten eine Woche Zeit, das Land zu verlassen. Es ist die größte gleichzeitige Ausweisung von Russen seit dem Kalten Krieg.

UN befasst sich mit Attentat auf Ex-Spion

Zu dem Thema wird sich auch der UN-Sicherheitsrat befassen. Das Gremium solle über den Ermittlungsstand informiert werden, teilte das Außenministerium in London mit.

Zudem haben die Mitgliedsstaaten der Nato Russland aufgefordert, alle Fragen Großbritanniens zum Giftanschlag auf Skripal zu beantworten. In einer durch die Nato veröffentlichten Erklärung aller 29 Nato-Mitglieder hieß es, der Angriff sei "ein klarer Bruch internationaler Regeln und Vereinbarungen". Die Verbündeten erklärten Großbritannien ihre Solidarität und boten "ihre Unterstützung bei der Durchführung der laufenden Untersuchung" zu dem Fall an.

Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk hat sich hinter Großbritannien gestellt und Russland die Verantwortung für die Tat zugewiesen. "Ich drücke meine volle Solidarität mit Premierministerin Theresa May aus hinsichtlich des brutalen Angriffs, der, höchstwahrscheinlich, von Moskau inspiriert wurde", twitterte Tusk.

Der Ex-Agent Sergej Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich nach wie vor in einem kritischen Zustand.

May ließ keinen Zweifel daran, dass sie offizielle Vertreter Russlands als Drahtzieher des Giftanschlags auf Skripal und dessen Tochter betrachtet: "Der russische Staat ist des versuchten Mordes schuldig", sagte sie vor dem Unterhaus in London. "Dies bedeutet, dass es sich um den illegalen Einsatz von Gewalt gegen Großbritannien durch den russischen Staat handelt." Als weitere Sanktion kündigte die Premierministerin an, dass zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland weder Regierungsmitglieder noch Vertreter des Königshauses anreisen.

Zuvor hatte May die russische Regierung aufgefordert, sich innerhalb eines Ultimatums bis Dienstag Mitternacht zu dem Skripal-Anschlag zu erklären, und drohte mit Sanktionen. Russland wies das Ultimatum jedoch zurück und ließ es verstreichen.

Das russische Außenministerium hatte zudem mit Vergeltung gedroht. "Jegliche Drohungen, Russland mit Strafmaßnahmen zu belegen, werden nicht unbeantwortet bleiben", teilte die Behörde mit. Darauf müsse sich Großbritannien gefasst machen. "Wir hoffen, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt", sagte ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow bestritt jeglichen Zusammenhang mit dem Angriff auf Skripal. Er forderte Zugang zu den verdächtigen Proben, damit Russland die Substanz selbst analysieren könne. Russland hat nach eigener Darstellung alle Chemiewaffen bis 2017 vernichtet. Lawrow verglich London mit einem Ankläger, der für die Säuberungskampagne des sowjetischen Diktators Josef Stalin zuständig gewesen sei und der gesagt habe, ein Geständnis sei ausreichend für eine Verurteilung. Zudem sagte er, Großbritannien sei einen Schritt weiter gegangen. Es erwarte, dass die Welt sich auf seine Verdächtigungen stütze, um Russland die Schuld zu geben.