Russland will auf das britische Ultimatum im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal nicht eingehen. Außenminister Sergej Lawrow sagte, man sei zwar zur Zusammenarbeit bereit. Er forderte von der britischen Regierung allerdings einen kompletten Zugang zu den Ermittlungen und den Nervengiftproben. Russland sei in dem Fall unschuldig, sagte Lawrow.

Das von Großbritannien gestellte Ultimatum, dass sich Russland binnen 24 Stunden zu dem Fall erklären solle, kritisierte er: "Wir haben schon eine Erklärung abgegeben, dass das alles Quatsch ist. Wir haben damit nichts zu tun", sagte Lawrow der Agentur Interfax zufolge.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Montag schwere Vorwürfe gegen Russland erhoben. Sie vermute, dass das Land für die Vergiftung des früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter verantwortlich sei. Die beiden seien der Substanz Nowitschok ausgesetzt gewesen, die gegen Ende des Kalten Krieges in der Sowjetunion entwickelt worden sei. Offizielle russische Stellen hätten den Anschlag entweder direkt in Auftrag gegeben oder ihn zumindest ermöglicht, sagte May. Den Giftanschlag wertete sie als "willkürlichen und schamlosen Angriff auf das Vereinigte Königreich".

May hatte Russland ein Ultimatum gestellt: Bis Dienstagabend müsse sich die Regierung in Moskau zu dem Fall gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. Andernfalls drohten Konsequenzen, sagte die Regierungschefin, ohne Details zu nennen. Die Frist laufe um Mitternacht ab, sagte ein Sprecher der britischen Regierung.

Der Ex-Agent Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie befinden sich nach wie vor in einem kritischen Zustand. 21 Menschen mussten nach dem Angriff behandelt werden.

Nato verurteilt Giftangriff als "völlig inakzeptabel"

Skripal soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Der Leiter der OPCW, Ahmet Üzümcü, bezeichnete den Fall als sehr besorgniserregend. "Es ist extrem beunruhigend, dass chemische Substanzen noch immer eingesetzt werden, um Menschen zu schaden", sagte Üzümcü. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, der Einsatz eines jeden Nervengifts sei abscheulich und völlig inakzeptabel. Die Nato stehe in der Angelegenheit mit den britischen Behörden in Kontakt.

Der scheidende Außenminister Sigmar Gabriel forderte, die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden: "Sollte sich bestätigen, dass Russland dahintersteht, wäre das ein sehr ernster Vorgang", sagte der SPD-Politiker laut einer Mitteilung. "Wir verurteilen diesen Anschlag mit einer verbotenen chemischen Waffe auf das Schärfste."