Donald Trump hat Theresa May Zustimmung für ihr Vorgehen im Fall des vergifteten Ex-Spions Sergej Skripal signalisiert. Die USA teilten die Einschätzung Großbritanniens, dass Russland hinter dem Angriff stecke, sagte die Sprecherin des US-Präsidenten, Sarah Sanders. Die Entscheidung der britischen Premierministerin, 23 Diplomaten auszuweisen, sei eine "gerechte Antwort". 

Es ist das erste Mal, dass das Weiße Haus im Fall Skripal eine so deutliche Aussage macht. Zuvor hieß es lediglich, die USA stünden an der Seite ihres Alliierten und verurteilten den Anschlag. Nur der inzwischen entlassene US-Außenminister Rex Tillerson hatte sich öffentlich der britischen Schlussfolgerung angeschlossen, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei.  

Diese Meinung äußerte nun auch die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley. Bei einer Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen machte auch sie Russland für das Giftattentat verantwortlich. Sie rief das UN-Gremium auf, "umgehend konkrete Maßnahmen" zu ergreifen. Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensia wies jede Verwicklung seines Landes zurück und forderte eine Offenlegung der angeblichen Beweise. Russland hat im Rat ein Vetorecht, mit dem es Entscheidungen des Gremiums blockieren kann.

Sergej Skripal - USA vermuten Russland hinter Giftangriff Die amerikanische UN-Botschafterin Haley geht davon aus, dass Russland den Ex-Spion Skripal vergiftet hat. Der russische UN-Botschafter Nebensia reagiert gereizt. © Foto: Spencer Platt/Getty Images

EU will über Giftanschlag beraten

Zurückhaltender äußerte sich Frankreich. Außenminister Jean-Yves Le Drian vermied es, Russland als Drahtzieher des Anschlags zu bezeichnen. In den kommenden Stunden werde man sich "auf höchster Stufe" mit den britischen Behörden austauschen, um eine Reaktion zu koordinieren, sagte Le Drian vor einem Treffen mit seinem neuen deutschen Kollegen Heiko Maas in Paris. Für diesen Donnerstag ist ein Gespräch zwischen Präsident Emmanuel Macron und May angesetzt. "Dieser Anschlag darf nicht ohne Folgen bleiben", sagte Maas, nachdem sich Angela Merkel bereits geäußert hatte. "Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden." EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte, die Attacke werde Thema beim EU-Gipfel der nächsten Woche.

Der Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury gefunden worden. Nach britischen Angaben wurden sie Opfer eines Nervengifts, das in der früheren Sowjetunion entwickelt wurde. Sie überlebten, sind jedoch beide in kritischem Zustand in einer Klinik. 

Großbritannien forderte von Russland eine Erklärung, ein Ultimatum verstrich. May kündigte daraufhin diplomatische und wirtschaftliche Strafmaßnahmen an. Neben der Ausweisung von 23 russischen Diplomaten plant sie auch schärfere Grenzkontrollen und das potenzielle Einfrieren von Vermögen. Auch würden weder Minister noch Mitglieder der königlichen Familie im Sommer zur Fußballweltmeisterschaft reisen, die erstmals in Russland ausgetragen wird. Das russische Außenministerium hat mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht, die in Kürze folgen sollen.