Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Robert Fico wegen des Mordes an einem Journalisten verzögert sich die Regierungsbildung in der Slowakei. Staatschef Andrej Kiska lehnte das vorgeschlagene Kabinett des designierten Regierungschefs Peter Pellegrini ab. Er werde die Regierung in dieser Besetzung nicht ernennen, sagte Kiska. Pellegrini solle bis Freitag eine neue Regierungsmannschaft vorschlagen.

Die Kabinettsumbildung war nach mehreren Rücktritten von Regierungsmitgliedern nach dem Mord an dem Investigativjournalisten Ján Kuciak und dessen Verlobter Martina Kusnirova notwendig geworden. Kuciak hatte im Umfeld des Ministerpräsidenten Robert Fico recherchiert und mögliche Verstrickungen mit der italienischen Mafia untersucht. Ende Februar waren Kuciak und Kusnirova erschossen aufgefunden worden. Die Recherchen des Journalisten wurden danach in slowakischen Medien veröffentlicht. Unter anderem fiel darin der Name einer engen Mitarbeiterin Ficos. In der Folge trat zuerst der Kultur-, dann der Innenminister und schließlich Ministerpräsident Fico zurück.

Die Ermordung Kuciaks hatte im In- und Ausland für Bestürzung gesorgt und zu Massenprotesten in der Slowakei geführt. Zur Trauerkundgebung waren mehr als 30.000 Menschen zusammengekommen – landesweit kam es zu den größten Demonstrationen seit dem demokratischen Wandel von 1989.

Die Demonstrantinnen und Demonstranten protestierten gegen die politische Elite, verlangten eine unabhängige Aufklärung der Morde und einen Neustart der Regierung. Letzteres forderte nun auch Kiska, als er Pellegrinis Kabinettsvorschlag zurückwies: Mit dem Vorschlag würden die Spannungen in der Slowakei nicht beseitigt, sagte Kiska.

Das neue Kabinett müsse die Bevölkerung stärker davon überzeugen, dass es den politischen Wandel bringe, der erwartet werde, sagte Kiska. Er müsse eine stabile Regierung mit neuen Namen bilden, deren Mitglieder vor allem im Innenministerium in der Lage seien, die Stimmung im Land zu entschärfen.