Nach der Ermordung des Journalisten Ján Kuciak und dessen Verlobter hat der slowakische Präsident Andrej Kiska politische Konsequenzen gefordert. "Ich sehe jetzt diese beiden Lösungen: eine grundlegende Regierungsumbildung oder vorgezogene Wahlen", sagte Kiska in einer Fernsehansprache.

Seinen Vorstoß begründete er mit wachsendem Misstrauen der Öffentlichkeit in staatliche Instanzen. "Dieses Misstrauen ist gerechtfertigt", sagte Kiska. "Wir haben die Linie überschritten, es ging zu weit und es gibt keinen Weg zurück."

Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am 25. Februar erschossen in ihrem Haus aufgefunden worden. Seine letzte Recherche sollte anscheinend ein kompliziertes Mafianetzwerk offenlegen. Die Verbindungen reichten dabei bis in höchste slowakische Regierungsstellen – unter anderem zu engen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Regierungschef Robert Fico.

Infolgedessen kündigte die Partei Most–Híd an, über ein Ende der Zusammenarbeit in Ficos Regierungskoalition zu beraten. Fico hingegen warf der Opposition vor, den Mord an dem Journalisten zu instrumentalisieren, um Proteste zu schüren und an die Macht zu gelangen.

Sollten Kuciaks Recherchen stimmen, wäre es vier italienischen Familien gelungen, Geld aus staatlichen und EU-Förderungen abzuzweigen. Zur Absicherung ihrer Geschäfte schleusten sie demnach Verbindungsleute bei Politikern der sozialdemokratischen Regierungspartei ein. Damit hätten sie Zugang zu Staatsgeheimnissen bekommen.