Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hat seinen Rücktritt angeboten. Sollte der Präsident Andrej Kiska das Rücktrittsgesuch annehmen, werde Fico sein Amt am Donnerstag abgeben, sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur TASR. Eine Bedingung sei, dass seine sozialdemokratische Partei Smer das Vorschlagsrecht für einen Nachfolger behalte.

Die Slowakei befindet sich seit dem Mord an dem Investigativjournalisten Ján Kuciak Ende Februar in einer Regierungskrise. Auch Fico war unter Druck geraten, nachdem sein Name in Kuciaks letzter Recherche aufgetaucht war. Zehntausende forderten am Freitag seinen Rücktritt. Am kommenden Montag hätte sich Fico einem Misstrauensvotum stellen müssen. Diesen Termin hatte das Präsidium des Nationalrats in Bratislava festgelegt. Was aus dem Misstrauensvotum wird, ist noch unklar.

Eine Neuwahl, die frühestens im Juni angesetzt werden könnte, will Fico ausdrücklich verhindern. Die Slowakei werde ins "Chaos stürzen", wenn die Opposition an die Regierung komme, warnte Fico. Medienberichten zufolge käme auch eine Übergangsregierung aus Beamten infrage. Nach einem Bericht der slowakischen Zeitung Sme könnte der bisherige Vize-Regierungschef Peter Pellegrini Ficos Amt übernehmen.

In Folge des Mords an Kuciak waren bereits zwei Minister zurückgetreten. Ende Februar trat Kulturminister Marek Maďarič zurück, am Montag auf Druck der Opposition und der Öffentlichkeit auch Innenminister Robert Kaliňák.

Ján Kuciak und dessen Verlobte Martina Kusnirova wurden am 25. Februar in Kuciaks Wohnung erschossen. Der Hintergrund der Tat ist noch unklar, die Polizei geht aber davon aus, dass sie mit Kuciaks journalistischer Arbeit zusammenhängt. Zuletzt hatte er über Verbindungen der italienischen Mafia bis in höchste Regierungskreise recherchiert und über mutmaßliche Verfehlungen von Unternehmern, die Ficos sozialdemokratischer Partei Smer nahestehen sollen.