Die US-Pornodarstellerin Stormy Daniels hat in einem TV-Interview von Einschüchterungsversuchen nach ihrer Begegnung mit Donald Trump im Jahr 2006 berichtet. Als ihre Geschichte im Jahr 2011 vor der Veröffentlichung stand, habe ein unbekannter Mann ihr auf einem Parkplatz in Las Vegas gedroht, berichtete die 39-Jährige am Sonntag in einem Interview in der CBS-Sendung 60 Minutes.

Sie sei in Begleitung ihrer damals zweijährigen Tochter gewesen, als der Mann an sie herangetreten sei, berichtete Stormy Daniels, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt, laut der vorab veröffentlichten Abschrift des Interviews. Dieser habe sie gewarnt: "Lass Trump in Ruhe. Vergiss die Geschichte." Dann habe der Mann ihre Tochter angesehen und gesagt: "Das ist ein hübsches kleines Mädchen. Es wäre schade, wenn ihrer Mama etwas zustoßen würde." Aus Angst sei sie damals nicht zur Polizei gegangen.

Die Pornodarstellerin hatte nach eigenen Angaben im Jahr 2006 am Rande eines Golfturniers in Lake Tahoe eine sexuelle Beziehung mit Trump – damals war der Immobilienmilliardär bereits mit der heutigen First Lady Melania verheiratet. Anschließend seien sie bis 2007 in Kontakt geblieben, weil Trump ihr gesagt habe, er wolle versuchen, sie in seine TV-Show The Apprentice zu bringen, berichtete Clifford.

Vier Jahre später sei sie von dem Magazin InTouch auf die Affäre angesprochen worden. Sie hätte sich gegen Zahlung von 15.000 Dollar zu dem Interview bereit erklärt. Laut CBS verzichtete das Magazin aber später auf eine Veröffentlichung, nachdem Trumps Anwalt Michael Cohen mit einer Klage gedroht hatte. Etwa um die Zeit soll der Vorfall auf dem Parkplatz stattgefunden haben.

Im Jahr 2016 zahlte Trumps Anwalt Cohen der Pornodarstellerin 130.000 Dollar für ihr Stillschweigen – mitten im Präsidentschaftswahlkampf, was die Affäre politisch macht. Kürzlich reichte sie vor Gericht Klage ein, um die Vereinbarung zu lösen und die Geschichte zu erzählen. Trumps Anwälte drohen derweil, sie auf mindestens 20 Millionen Dollar Schadenersatz zu verklagen.

Auf die Frage, warum sie nun ihr Schweigen brechen wollte, sagte Clifford, sie wolle "die Sache klarstellen": "Ich finde es nicht okay, als Lügnerin dazustehen." Auf die Frage, was sie Trump sagen wollte, wenn er ihr Interview sähe, antwortete sie: "Er weiß, dass ich die Wahrheit sage." Das Weiße Haus hat jegliche intime Beziehung zwischen Trump und Daniels bestritten.

Der frühere Chefanwalt der staatlichen Wahlkommission FEC, Lawrence Noble, nannte das Handeln des Anwalts einen groben Fehler. Die FEC müsse sich geradezu eingeladen fühlen, nun gegen Trump zu ermitteln. Entsprechende Klagen von Bürgerrechtsgruppen sind anhängig: Im Wahlkampf sei gegen Gesetze verstoßen worden. Manche Republikaner sind besorgt, dass sich Berichte über ein zügelloses Privatleben Trumps negativ auf die Kongresswahlen im November auswirken werden.