Trotz internationaler Kritik will Syriens Machthaber die Offensive seines Militärs auf das belagerte Rebellengebiet Ostghuta vorantreiben. Es werde aber auch weiterhin die mit Russland vereinbarte tägliche Feuerpause von fünf Stunden einhalten, damit Zivilisten aus dem belagerten Gebiet außerhalb von Damaskus fliehen könnten, sagte Baschar al-Assad. "Es gibt keinen Widerspruch zwischen der Waffenruhe und der Militäroperation."

Die syrische Armee rückte unterdessen weiter vor. Ein Kommandeur sagte, die Truppen müssten nur noch wenige Kilometer vorankommen, um das Rebellengebiet in zwei Teile zu spalten. Laut Berichten verschiedener Seiten eroberten die Soldaten am Wochenende sechs Dörfer und Städte am Rande der Enklave nahe Damaskus. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte  – deren Angaben nicht überprüft werden können – teilte mit, die Armee stehe nur noch drei Kilometer von Duma entfernt. Die syrische Armee kontrolliert Beobachtern zufolge etwa ein Viertel der Region.

Die Situation in Syrien

IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Die Vereinten Nationen (UN) kündigten nach wochenlanger Bombardierung Hilfe für die Zivilbevölkerung an. Sie hätten von der syrischen Regierung die Erlaubnis erhalten, in die eroberten Gebiete zu fahren, so die UN. Es sei geplant, am Montag mit der Verteilung von Hilfsgütern zu beginnen und mit Partnerorganisationen einen Konvoi mit 46 Lkw-Ladungen mit medizinischen Produkten und Nahrungsmitteln für 27.500 Menschen nach Duma, der größten Stadt in Ostghuta, zu bringen. Insgesamt sei Hilfe für 70.000 Menschen geplant. Den Vereinten Nationen ist die fünfstündige Waffenruhe pro Tag zu wenig. Sie wollen, dass die vom Sicherheitsrat beschlossene Pause für ganz Syrien umgesetzt wird.

Macron und Ruhani wollen kooperieren

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verlangte von seinem iranischen Amtskollegen Hassan Ruhani, Druck auf die syrische Regierung auszuüben. Diese müsse ihre "wahllosen Angriffe auf die belagerte Bevölkerung in Ostghuta" beenden, humanitären Zugang gewähren und Verwundete herausbringen. In einem Telefongespräch hätten Macron und Ruhani vereinbart, in den kommenden Tagen zusammenzuarbeiten, um Zivilisten die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen und einen vom Weltsicherheitsrat geforderten Waffenstillstand umzusetzen, teilte Macrons Büro mit.

Die US-Regierung kritisierte, Russland habe zunächst die UN-Resolution über eine 30-tägige Feuerpause für ganz Syrien verzögert. Dann habe das Land weiter unschuldige Zivilisten unter der Vorspiegelung von Terrorabwehr-Operationen getötet. Die USA forderten, das Assad-Regime müsse zusammen mit seinen Unterstützern Russland und Iran der UN-Resolution folgen, "die Feindseligkeiten in und um Ostghuta einstellen und ungehinderte humanitäre Hilfe für die fast 400.000 eingeschlossenen unschuldigen Zivilisten zulassen".

Ostghuta mit seinen insgesamt etwa 400.000 Einwohnern wird seit Monaten belagert, beschossen und bombardiert. Seit Mitte Februar fliegen syrische Regierungstruppen mit russischer Unterstützung Luftangriffe auf die Region, in der sich Rebellen seit Jahren gegen die Armee behaupten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei bisher mehr als 640 Zivilisten getötet. Russische Flugzeuge haben demnach allein zwischen dem 24. und 28. Februar täglich mindestens 20 Bombenangriffe in Damaskus und Ostghuta verübt.