Bei einem Angriff auf das wichtigste Krankenhaus in der nordsyrischen Stadt Afrin sind nach Angaben von Aktivisten und Ärzten mindestens 16 Menschen getötet worden. Sie machen die Türkei dafür verantwortlich. Die türkische Armee habe die medizinische Einrichtung getroffen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. "16 Zivilisten wurden getötet, darunter zwei schwangere Frauen", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die türkischen Streitkräfte dementierten, dass sie ein Krankenhaus beschossen hätten.  

Medizinisches Personal war laut Rahman nicht unter den Todesopfern. Der Co-Vorsitzende des kurdischen Roten Halbmondes, Serwan Bery, bestätigte das Bombardement auf das Krankenhaus in Afrin. "Es gab den Tag über Bombardements in der Stadt, die sich nahe des Krankenhauses ereigneten, aber heute Abend wurde es direkt getroffen", erklärte Bery. Bei der Einrichtung, in der Mitarbeiter des Roten Halbmonds arbeiteten, habe es sich um "das einzige funktionierende Krankenhaus in der Stadt Afrin" gehandelt.

Die Türkei hatte am 20. Januar einen Militäreinsatz gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien gestartet. Die Stadt Afrin ist mittlerweile offenbar fast komplett eingekreist. Ankara sieht die YPG wegen ihrer Verbindungen zu der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation an. Wegen der türkischen Offensive sind bereits zahlreiche Menschen aus Afrin geflohen. Nach Angaben der Beobachtungsstelle verließen am Freitag mindestens 15.000 weitere Einwohner die Stadt.

Die Situation in Syrien

IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen aus einem Netz von Informanten vor Ort. Ihre Angaben sind für Medien kaum zu überprüfen.