Aus der von der Türkei belagerten kurdischen Enklave Afrin in Syrien sind nach Angaben kurdischer Stellen und oppositionsnaher Beobachter seit vergangenem Mittwoch mehr als 150.000 Menschen geflohen. Damit hat wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Einwohner das Gebiet verlassen. Ein Mitglied der kurdischen Regionalregierung sagte, die Menschen flüchteten in andere kurdisch-kontrollierte Gebiete oder in Gegenden, die von der syrischen Regierung beherrscht würden.

Die Stadt im Nordwesten Syriens ist beinahe komplett umzingelt. Lediglich im Süden gibt es einen Fluchtkorridor, der es den Bewohnern ermöglicht, Afrin zu verlassen. "Über diesen Südkorridor" seien die 150.000 Zivilistinnen und Zivilisten geflüchtet, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London.

Die Situation in Syrien

Die Situation in Syrien

Quelle: IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Die Türkei hatte im Januar im Norden Syriens eine Offensive gegen die kurdische YPG-Miliz begonnen. Mit der Militäraktion soll verhindert werden, dass sich ein zusammenhängendes kurdisches Einflussgebiet vom Irak über Syrien bis in die Türkei bildet. Die Türkei sieht die YPG als verlängerten Arm der kurdischen PKK in der Türkei, die sie als Terrororganisation einstuft. Die USA unterstützen die YPG dagegen im Kampf gegen Islamisten.

Die Beobachtungsstelle teilte mit, die Türkei habe in der Nacht zu Samstag Afrin erneut mit Kampfflugzeugen und Artillerie beschossen. Zuvor hatten die Beobachtungsstelle und Ärzte berichtet, die türkische Armee habe das wichtigste Krankenhaus in Afrin beschossen und dabei mindestens 16 Menschen getötet. Die türkischen Streitkräfte dementierte dies.

Die Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte lassen sich – wie auch jene der Konfliktparteien – nicht unabhängig überprüfen.

Beschuss von Ostghuta

In der seit Wochen unter Beschuss der syrischen Regierungstruppen stehenden Region Ostghuta bei Damaskus sind nach Angaben der Beobachtungsstelle 30 Zivilisten bei neuen Luftangriffen getötet worden. Keine Angaben machte die Stelle dazu, wer die Angriffe flog. Die syrischen Truppen werden auch von russischen Streitkräften unterstützt.