Türkische Truppen und mit ihnen verbündete syrische Oppositionskämpfer haben mit der Belagerung der Stadt Afrin im Norden Syriens begonnen. Das teilte das türkische Militär mit. Die Belagerung der von den Kurden kontrollierten Stadt habe bereits am Montag angefangen, hieß es in einer Erklärung. Das Militär habe die Kontrolle über "entscheidende Gebiete" der Stadt übernommen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, 300.000 Menschen seien nun eingeschlossen. Von unabhängiger Seite konnten die Angaben nicht bestätigt werden.

Die türkischen Streitkräfte hatten am 20. Januar die Operation Olivenzweig gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) begonnen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte angekündigt, Afrin-Stadt zu belagern. "Auf diese Weise wird die Hilfe von außen blockiert und die Terrororganisation wird nicht mehr die Möglichkeit haben, mit jemandem einen Handel einzugehen", hatte Erdoğan gesagt.

Die Regierung in Ankara stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation ein. Ziel der Türkei ist es, ein Erstarken der Kurden an ihrer Südgrenze zu verhindern. Die PKK kämpft sei Jahrzehnten für Autonomie der Kurden in der Türkei.

Nach Angaben von Aktivisten flüchteten am Montag Tausende Zivilisten aus Afrin. Innerhalb von 24 Stunden hätten mehr als 2.000 Menschen die von syrischen Regierungsanhängern kontrollierten Orte Nubl und Al-Sahra erreicht, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Damit hätten in den vergangenen Tagen insgesamt mehr als 16.000 Zivilisten in den beiden Orten Zuflucht gefunden.

Der Sprecher der kurdischen Partei PYD, Ebrahim Ebrahim, sagte, die Menschen fürchteten sich vor Grausamkeiten der türkischen Armee und deren Verbündeten gegen Kurden und die Minderheiten in der Stadt. Auch hätten die türkischen Angreifer Wasser- und Elektrizitätskraftwerke zerstört, die Afrin versorgen, sagte Ebrahim.

Die türkische Regierung argumentiert, die Operation im Norden Syriens verstoße nicht gegen internationales Recht. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte zuletzt Zweifel daran geäußert.