Die Flucht aus der belagerten syrischen Region Ostghuta hält nach russischen Angaben an. Das Verteidigungsministerium teilte mit, es hätten allein bis zum Morgen weitere 2.000 Menschen das Gebiet verlassen. Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mehreren Tausend Menschen, die aus dem Gebiet geflohen seien. Am Freitag rief die syrische Armee alle Einwohner von Ost-Ghuta auf, die Region nahe der Hauptstadt Damaskus über "gesicherte Korridore" zu verlassen.

Nach Angaben mehrerer Quellen waren bereits am Donnerstag mehr als 10.000 Menschen geflohen, nachdem die islamistische Rebellengruppe Fajlak al-Rahman die Stadt Hammurije an die Armee des Assad-Regimes verloren hatte. Unabhängig lassen sich all diese Angaben nicht überprüfen.    

Russland unterstützt die syrische Armee in der Region unter anderem mit Luftangriffen beim Versuch, die Gegend von den Rebellen zurückzuerobern. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) starben dort in fast einem Monat mehr als 1.100 Zivilisten. In der Rebellenenklave sind UN-Schätzungen zufolge 400.000 Menschen eingeschlossen. 

Die Situation in Syrien

IHS Conflict Monitor, New York Times. Stand: 5. Februar 2018. Grafik: Matthias Holz/ZEIT ONLINE

Aus der Stadt Afrin im Norden Syriens gibt es ähnliche Berichte.  Dort bekämpft die Türkei die Kurdenmiliz YPG, die sie als militärische Organisation der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) betrachtet. Die wiederum ist als Terrororganisation eingestuft. Zehntausende sollen dort vor dem Militär flüchten, allein am diesem Freitag mehr als 2.500. Nach Angaben der  Syrischen Beobachtungsstelle suchen sie in einem von syrischen Regierungseinheiten kontrollierten Gebiet Schutz, indem sie in Richtung der Orte Nubul und Sahra flüchteten. Auch hier ist kein Ende der Kämpfe absehbar. Die Führung in Ankara gibt sich kämpferisch. Afrin werde "sehr bald" erobert sein, sagte ein Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan dem staatlichen Sender TRT.

Türkei wirft Flugblätter über Afrin ab

Die Armee warf nach eigenen Angaben Flugblätter über der Stadt ab, die unter Kontrolle der Kurdenmiliz YPG steht. Darin hieß es: "Diejenigen, die Afrin verlassen wollen, werden unter der Garantie der türkischen Streitkräfte stehen." Die Bevölkerung wurde aufgerufen, sich "Stellungen und Verstecken von Terroristen" fernzuhalten. "Erlaubt nicht, dass sie Euch und Eure Kinder als Schutzschilde missbrauchen." Einziges Ziel der türkischen Operation in Afrin sei die "Terrororganisation" YPG.

In einem weiteren Flugblatt hieß es: "Die türkischen Streitkräfte sind in Afrin, um Frieden, Ruhe und Sicherheit zu bringen. Fall nicht auf denjenigen rein, die Dich mit unbegründeten und leeren Versprechen betrügen." Die türkische Armee sei gekommen, um ihre Hand auszustrecken. "Vertraue der Gerechtigkeit der Türkei! Vertraue den türkischen Streitkräften!"

Die EU verurteilte beide Militäreinsätze. Das Parlament in Straßburg verlangte eine friedliche Lösung. Das russische Militär und die syrische Regierung kündigten an, die Waffenruhe in den Rebellenvororten von Damaskus für Evakuierungen fortzusetzen. Sie werde solange verlängert, "bis alle (Zivilisten)" Ostghuta verlassen hätten, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in Kasachstan, wo er sich mit seinen Amtskollegen aus der Türkei und dem Iran traf. Sie beraten dort weiter über die Lage in Syrien – ein Jahr nach einem ersten Treffen im Januar 2017. Im Zuge der Verhandlungen in der kasachischen Hauptstadt Astana wurden unter anderem vier sogenannte Deeskalationszonen in Syrien eingerichtet, die die Gewalt aber nicht beendeten. Die Gespräche in Astana laufen parallel zu den Bemühungen um einen Frieden unter UN-Führung in Genf.