Das syrische Militär hat in der belagerten Region Ostghuta offenbar einen Fluchtkorridor für Zivilisten geöffnet. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, durften die Menschen das Gebiet in der Nähe der Ortschaft Hamuria verlassen. Auch staatliche syrische Medien und Aktivisten berichten davon sowie mehrere Fernsehsender – darunter die libanesischen Kanäle Al-Majadin und Al-Manar. Nicht klar ist, um wie viele Menschen es sich handelte. Die Angaben reichen von "Hunderte" bis zu "mehr als 3.000".

Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatte Mitte Februar eine groß angelegte Luft- und Bodenoffensive gestartet, um die letzte Rebellenhochburg nahe Damaskus unter seine Kontrolle zu bringen. Unterstützt wird die syrische Regierung bei ihrer Offensive von Russland. Mehrere Versuche, eine dauerhafte Waffenruhe in Ostghuta zu etablieren und die Region mit Hilfsgütern zu versorgen, waren in der Vergangenheit gescheitert. Schätzungen zufolge leben etwa 400.000 Menschen in der belagerten Region, in der die Versorgungslage seit Wochen katastrophal ist.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) teilte am Donnerstag mit, dass ein neuer Hilfskonvoi mit dringend benötigten Lebensmitteln die Enklave erreicht habe. Er soll in die größte Stadt Duma fahren. Laut einem IKRK-Sprecher hatten die 25 Lastwagen des Konvois Lebensmittelpakete und Mehlsäcke für 26.000 Menschen geladen. Es sei nur ein geringer Teil dessen, was die Einwohner von Ostghuta benötigten, sagte der Sprecher. Es war der dritte Hilfskonvoi in zehn Tagen, der die Rebellenenklave erreichte. Die Hilfslieferungen bedürfen der Zustimmung aller Konfliktparteien.

Das russische Militär hatte zuvor mitgeteilt, seine humanitäre Feuerpause für einen Teil des syrischen Rebellengebietes um zwei Tage zu verlängern. Sie soll insbesondere für Duma gelten.

Seit dem Beginn der Offensive wurden in der Region nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 1.200 Zivilisten getötet. Die in Großbritannien ansässige Organisation bezieht ihre Informationen nach eigenen Angaben von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind für Medien kaum zu überprüfen. Jedoch gehen auch die Vereinten Nationen davon aus, dass in fast einem Monat mehr als 1.100 Zivilisten getötet wurden.

Die Beobachtungsstelle berichtete weiter, einige Zivilisten seien am Donnerstagmorgen auf der Flucht vor den Regierungstruppen in Hamuria beschossen worden. Dabei seien mehrere Menschen verletzt worden. Am Mittwoch seien in Hamuria 26 Menschen getötet worden.

Die Angriffe der syrischen Regierungstruppen gingen auch am Donnerstag weiter, wie syrische Aktivisten berichteten. Am siebten Jahrestag des Beginns des Aufstandes, der letztlich zu dem Bürgerkrieg in Syrien geführt hatte, wurde eine Rettungskraft der Weißhelme bei Artilleriebeschuss und Luftangriffen in Al-Hase getötet, wie die Organisation mitteilte. Ihren Ersthelfern sei es wegen der Intensität des Bombardements nicht möglich, Verletzte in Orten und Städten in dem Gebiet zu erreichen.