Das Rote Kreuz hat einen für Donnerstag geplanten Hilfskonvoi für die notleidenden Zivilisten im syrischen Ostghuta verschoben. Die Lage vor Ort sei derzeit zu unsicher, um die Hilfen wie geplant auszuliefern, sagte Ingy Sedky, Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), der Nachrichtenagentur AFP. "Unter solchen Bedingungen ist es uns nicht möglich, den Einsatz auszuführen", sagte Sedky. Laut Rotem Kreuz ist unklar, wann die nächste Lieferung stattfinden kann.

Der Konvoi hätte nach UN-Angaben Hilfsgüter für rund 70.000 Menschen in die Stadt Duma in Ostghuta bringen sollen. Am Montag ist bereits der Versuch einer ersten Hilfslieferung abgebrochen worden, nachdem der Konvoi unter Beschuss geraten war. Nur 32 von 46 Lastwagen hatten entladen werden können. Die Mission musste vorzeitig beendet werden.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Mittwoch an alle Konfliktparteien appelliert, den für Donnerstag vorgesehenen Hilfskonvoi zu ermöglichen. Nötig sei ein "sicherer und ungehinderter Zugang für weitere Konvois, um wichtige Lieferungen für Hunderttausende bedürftige Menschen liefern zu können", sagte Guterres. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, hatte am Mittwoch die syrische Führung aufgefordert, ihren "katastrophalen Kurs" in Ostghuta umzukehren. Seit Mitte Februar sollen dort mehr als 800 Zivilistinnen und Zivilisten umgekommen sein. Über Mitglieder von Regierungstruppen sowie von zumeist islamistischen Rebellen gibt es keine Angaben.

In der Rebellenenklave bei Damaskus leben seit 2013 knapp 400.000 Menschen unter Belagerung. Zum Mittwochabend könnte Syrischen Regierungstruppen ein weiterer Vorstoß in das Gebiet gelungen sein. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, syrische Milizen hätten unter heftigem Artilleriefeuer einen Keil in das Rebellengebiet getrieben und es aufgespalten. Sie sollen in die Siedlungen und Gehöfte von Beit Saua und Al-Aschari vorgedrungen sein und damit den Nordteil der Region Ostghuta um die Städte Duma und Harasta vom Südteil um Hamurijeh und Erbin getrennt haben. Die Berichte lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Regierung hat Hälfte des Rebellengebietes erobert

Seit Beginn ihres Vormarsches haben die regierungstreuen Truppen den Angaben nach rund die Hälfte des Rebellengebietes in der Region Ostghuta erobert. Sie verfolgten dabei "dieselbe Taktik wie in Ostaleppo 2015", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. "Erst spalten sie die Region und dann werden die Zivilisten in ein kleines Gebiet gedrängt."

Er erwarte, dass die Regierungstruppen nun den Beschuss dieser Gebiete verstärken würden, in denen die Zivilisten zusammengedrängt seien. "Das geschieht unter den Augen der Weltgemeinschaft und die Zivilbevölkerung von Ostghuta zahlt wieder einen hohen Preis", sagte Abdel Rahman.

Während die Regierung Truppenverstärkungen in das Kampfgebiet schickte, versuchen die Rebellen, über Gespräche mit der Türkei eine Waffenruhe für Ostghuta zu erreichen. Die Türkei spricht sich im Syrien-Krieg mit Russland ab, dem wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung.

Ausnahme für Al-Kaida behindert Waffenruhe

Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits im Februar eine Waffenruhe für ganz Syrien gefordert, aber nicht völkerrechtlich verbindlich beschlossen. Er hatte dabei zudem den Kampf gegen Terrormilizen wie Al-Kaida von der Waffenruhe ausgenommen, was die Kampfparteien zur Rechtfertigung weiterer Angriffe nutzen.

Am 4. April will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zu einem Gespräch über den Syrien-Krieg empfangen, wie die türkische Agentur Anadolu berichtet. Die drei Staaten sind die Garantiemächte im sogenannten Astana-Prozess, der zu einer Waffenruhe in Syrien führen soll. Die Außenminister der drei Staaten wollen sich bereits am 16. März in der kasachischen Hauptstadt Astana treffen.