Die Türkei hat Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an der türkischen Militäroffensive im nordsyrischen Afrin als "bedauerlich" und "auf Falschinformationen beruhend" zurückgewiesen. Merkel hatte den Einsatz am Mittwoch, zwei Monate nach dem Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien, erstmals deutlich verurteilt. "Bei allen berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei ist es inakzeptabel, was in Afrin passiert, wo tausende und abertausende von Zivilisten verfolgt sind, zu Tode kommen oder flüchten müssen", hatte Merkel in ihrer Regierungserklärung im Bundestag gesagt. "Auch das verurteilen wir auf das Schärfste."

Das türkische Außenministerium verwahrte sich gegen die Kritik. "Wir halten diese bedauerlichen Äußerungen der deutschen Kanzlerin Merkel (...) über den Einsatz Olivenzweig, die nichts mit der Realität zu tun haben und auf Fehlinformationen beruhen, für inakzeptabel", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Es sei merkwürdig, dass "einige unserer Verbündeten die Lage mit den Augen von Terroristen betrachten".

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete von einem Telefonat zwischen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdoğan. Beide hätten dabei am Mittwoch "die Bedeutung des gemeinsamen Kampfes gegen den Terrorismus" betont.

Der türkische Einsatz in Afrin läuft seit dem 20. Januar. Erklärtes Ziel ist, die kurdische YPG-Miliz aus der Region zu vertreiben. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat angekündigt, dass der Militäreinsatz mit der Einnahme von Afrin noch nicht beendet sein wird. Er werde in anderen Teilen Syriens fortgesetzt werden, auch ein Einmarsch in den Irak sei denkbar.