Der Irak hat die Türkei vor einem Einmarsch ihrer Truppen in sein Staatsgebiet gewarnt. Der Irak werde auf seinem Boden keine Präsenz irgendwelcher Kräfte zulassen, die Militäroperationen ausführten, sagte der irakische Außenminister Ibrahim al-Dschafari bei einem Treffen mit dem türkischen Vize-Außenminister Ahmet Yıldız in Baghdad. "Wir lehnen die Verletzung der irakischen Grenze durch türkische Kräfte entschieden ab", sagte Al-Dschafari weiter.

Die Türkei solle ihre im nordirakischen Kurdengebiet stationierten Truppen abziehen. Die Regierungen in Bagdad und Ankara streiten seit Langem über eine türkische Militärbasis in Baschika. Die türkischen Soldaten bildeten dort in der Vergangenheit lokale sunnitische Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aus und unterstützen auch kurdische Peschmerga-Kämpfer.

Nach der Einnahme der nordwestsyrischen Stadt Afrin hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan mit einer Ausweitung der Offensive bis in den Nordirak gedroht. Dort werde man die "Terrorcamps" der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK "wenn nötig anhaltend unter Kontrolle bringen". Die PKK hat in Nordiraks Kandil-Bergen ihr Hauptquartier und auch im dortigen Sindschar Stellungen. "Wir würden sofort eines Nachts urplötzlich in Sindschar einmarschieren und es von der PKK säubern", sagte Erdoğan.

Auch Syrien fordert Rückzug der Türkei

Zuletzt hatten türkische Kampfjets bei Luftangriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak nach Angaben der türkischen Armee mindestens zwölf PKK-Kämpfer getötet. Das türkische Militär ging davon aus, dass die Kämpfer einen Angriff vorbereitet hätten. Die PKK kämpft seit den Achtzigerjahren für mehr Autonomie im Südosten der Türkei. Mehr als 40.000 Menschen wurden in dem Konflikt bereits getötet.

Auch die syrische Regierung fordert einen Rückzug der Türkei. Am Sonntag hatte die Freie Syrische Armee (FSA) gemeinsam mit türkischen Truppen und weiteren verbündeten Gruppen die Stadt Afrin unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei kam es zu Anschlägen und Plünderungen. Nun fordert das syrische Außenministerium in Mitteilungen an den UN-Sicherheitsrat und den Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, einen sofortigen Rückzug türkischer Truppen von syrischem Territorium. Ihr Vorgehen im nordsyrischen Afrin sei illegal und eine Invasion. Indessen führt die syrische Regierung selbst eine Militäroffensive in Ostghuta bei Damaskus. Alle Forderungen der Vereinten Nationen, die Angriffe auf die Bevölkerung einzustellen, blieben von der syrischen Regierung ungehört.