Die ukrainische Abgeordnete und frühere Kampfpilotin Nadija Sawtschenko ist wegen mutmaßlicher Anschlagspläne festgenommen worden, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. Zuvor hatte das Parlament mit großer Mehrheit ihre Immunität aufgehoben und ihrer Festnahme zugestimmt. Sawtschenko galt nach der Maidan-Revolution als Nationalheldin, ist jedoch wegen ihrer Kontakte zu Separatisten in der Ostukraine umstritten.

Generalstaatsanwalt Juri Luzenko wirft Sawtschenko vor, einen terroristischen Staatsstreich zu planen. Dafür gebe es "unwiderlegbare Beweise". Sie habe gemeinsam mit Separatisten die ukrainische Regierung durch einen bewaffneten Angriff auf das Parlament in Kiew stürzen wollen. Ziel sei die "Auslöschung" der ukrainischen Führung einschließlich des Staatschefs Petro Poroschenko. Worauf sich seine Erkenntnisse stützen, sagte Luzenko nicht. Bereits vergangene Woche hatten die Abgeordneten Sawtschenko die Mitgliedschaft im Verteidigungsausschuss entzogen. Sawtschenko weist die Vorwürfe zurück.

Die frühere Militärpilotin war 2014 bei Kämpfen gegen die prorussischen Separatisten in der Ostukraine in Gefangenschaft geraten. Die russische Justiz warf ihr vor, für den Tod von zwei russischen Journalisten mitverantwortlich zu sein. Ein russisches Gericht verurteilte sie wegen Beihilfe zum Mord zu 22 Jahren Haft. Im Mai 2016 wurde sie begnadigt und gegen zwei im Kriegsgebiet festgenommene Russen ausgetauscht.

Ursprünglich zog sie für die Partei Batkiwschtschyna (Vaterland) der Ex-Ministerpräsidentin Julija Timoschenko als Abgeordnete ins Parlament ein. Seit diese sie wegen ihrer Kontakte zu den ostukrainischen Aufständischen ausschloss, ist sie fraktionslos. Sawtschenko machte die Regierung für den Konflikt mit den prorussischen Rebellen verantwortlich und traf Anführer der Separatisten, um über die Freilassung ukrainischer Gefangener zu verhandeln.