Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die Entsendung einer Blauhelmmission der Vereinten Nationen (UN) in die Ostukraine gefordert. Laut Poroschenko könne nur so "das Friedensabkommen von Minsk umgesetzt werden". Im Osten der ehemaligen Sowjetrepublik kämpfen seit 2014 Regierungstruppen gegen prorussische Seperatisten, die mit verdeckter Militärhilfe aus Russland agieren. Nach UN-Angaben sind in dem Krieg bisher rund 10.000 Menschen getötet worden.

Russland versuche, die Ukraine in die Knie zu zwingen, sagte Poroschenko ."Wir haben bisher überlebt, weil Europa zu uns steht", sagte er im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Solange das Friedensabkommen nicht vollständig erfüllt sei, "darf es keine Lockerung der Sanktionen gegen Russland geben", sagte der Präsident weiter. Im Februar 2015 wurde in der weißrussischen Hauptstadt Minsk ein Friedensabkommen geschlossen, das eine Waffenruhe und eine politische Lösung vorsieht. Dieses wird aber von keiner Seite umgesetzt. So sind vereinbarte Waffenruhen bisher mehrfach gebrochen worden.

Zudem rief Poroschenko die internationale Gemeinschaft zu "wirksameren Sanktionen" auf und schlug einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland vor.

Seit vier Jahren ist die Krim von Russland besetzt

Die Forderungen nach mehr westlicher Unterstützung fallen fast genau auf den vierten Jahrestag der Krim-Besetzung. Am 18. März 2014 hatte Russlands Präsident Wladimir Putin einen Vertrag über den Beitritt der Halbinsel sowie der Stadt Sewastopol zur Russischen Föderation unterzeichnet. Der Westen sieht darin eine völkerrechtswidrige Annexion. Zuvor hatten russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen die Kontrolle auf der Krim übernommen. Wenig später folgte ein umstrittenes Referendum, in dem eine Mehrheit der Krim-Bewohner für einen Anschluss an Russland stimmte.

Putin möchte sich am Sonntag in seine vierte Amtszeit wählen lassen. Sein Wahlsieg gilt den Umfragen zufolge als sicher. Während des Wahlkampfs hatte er auch die Krim besucht. Dort besichtigte er die Baustelle für eine Brücke über die Straße von Kertsch, die die Krim mit dem russischen Festland verbinden soll. Der ukrainische Präsident kritisierte Putins Reise zur Schwarzmeer-Halbinsel als "gefährliche Provokation". Er rief die Welt auf, die Wahlergebnisse auf der Krim nicht anzuerkennen. Die in der Ukraine lebenden Russen sollen zudem von der Teilnahme an der Wahl abgehalten werden.

Keine Äußerung zu Waffengeschäften mit Deutschland

Im Interview mit der Funke-Mediengruppe setzte Poroschenko auch auf weitere Unterstützung durch die neue Bundesregierung. "Ich erwarte, dass sich alle Koalitionspartner in Deutschland für Freiheit, Demokratie und die territoriale Integrität der Ukraine einsetzen", sagte Poroschenko. Zurückhaltend äußerte er sich über mögliche deutsche Waffenlieferungen. "Die ersten, von denen wir uns Waffenlieferungen erhoffen, sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Danach denken wir an Länder wie Kanada, Frankreich oder Litauen", sagte der Präsident. "Waffengeschäfte vertragen keine lautstarken Diskussionen, daher werde ich zu möglichen Vereinbarungen mit Deutschland nichts sagen."