Russland hat das britische Ultimatum im Fall des Ex-Spions Sergej Skripal in der Nacht verstreichen lassen. Die Regierung in Moskau war aufgefordert worden, sich zu dem Mordversuch an Skripal und seiner Tochter im britischen Salisbury zu erklären. Nach Ablauf der Frist will Großbritannien nun die Nato informieren.

Das Gespräch zwischen britischen Regierungsmitarbeitern und Vertretern des Nordatlantikrates war bereits am Vortag geplant worden. Es wurde von Außenminister Boris Johnson und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vereinbart. Beide einigten sich darauf, dass Russlands Handlungen die Sicherheit von Nato-Partnern wiederholt bedrohten, etwa das Baltikum, die Balkanländer, die Ukraine und Georgien.

Das Ultimatum hatte die britische Premierministerin Theresa May gestellt. Sie hält es für sehr wahrscheinlich, dass Russland hinter dem Giftanschlag auf Skripal und seine Tochter steht. Das Nervengift stamme nach britischen Erkenntnissen aus Russland, sagte May. Sie drohte mit Konsequenzen, sollte Russland sich nicht zu dem Mordversuch erklären.

Sergej Skripal - Lawrow beteuert Unschuld Der russische Außenminister möchte im Fall des Giftangriffs auf einen ehemaligen Spion nur unter bestimmten Bedingungen mit der britischen Regierung zusammenarbeiten. © Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

May berät mit Nationalem Sicherheitsrat

Die britische Premierministerin will nun am Mittwochmorgen mit dem Nationalen Sicherheitsrat über das weitere Vorgehen beraten. Denkbar ist, dass Großbritannien wirtschaftliche und diplomatische Maßnahmen ergreifen wird. Die USA und die Europäische Union haben Großbritannien dafür Unterstützung ausgesprochen. Etwaige Sanktionen müssten abgesprochen werden, um tatsächlich Auswirkungen zu haben. 

Russland hatte bereits am Dienstag angekündigt, man sei unschuldig, aber zur Zusammenarbeit bereit. Dafür müssten die russischen Behörden allerdings Zugang zu den britischen Ermittlungen sowie Proben des Gifts erhalten. Außenminister Sergej Lawrow gab zu verstehen, dass er wenig von der Frist der Briten halte: "Bevor uns jemand Ultimaten stellt, sollte er seine eigenen Verpflichtungen gemäß dem internationalen Recht erfüllen."