Am Dienstag entließ er seinen Außenminister, Rex Tillerson. Vergangene Woche kündigte Gary Cohn, Trumps oberster Wirtschaftsberater. Nur Tage zuvor hatte seine Sprecherin Hope Hicks erklärt, sie wolle das Weiße Haus verlassen, um sich "anderen Projekten" zu widmen. Berater Steve Bannon, der Trump mit seinen populistischen Ideen einst zum Wahlerfolg verhalf, musste schon im August gehen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Tillerson fiel letztlich über politische Differenzen mit Trump. (Dass er den Präsidenten einen "Schwachkopf" nannte, half ihm nicht.) Für Cohn, zuvor die Nummer zwei bei der Investmentbank Goldman Sachs, waren Trumps Strafzölle gegen befreundete Nationen endgültig zu viel. Hicks ging nach einem neunstündigen Verhör durch FBI-Beamte, die im Auftrag von Sonderermittler Robert Mueller mögliche Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam zum Kreml untersuchen. Bannon verlor einen Machtkampf mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.

"Iss deinen Salat, Rex"

Die Gründe für die Abgänge mögen verschieden sein, das Resultat bleibt gleich: Trump wird immer mehr zum Einzelkämpfer. Einsamkeit gehört bis zum gewissen Grad zum Job eines jeden US-Präsidenten. Er muss die Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Doch Trump war es als Chef seines Familienunternehmens gewohnt, von Mitarbeitern umgeben zu sein, die oft jahrzehntelang für ihn tätig waren und denen er blind vertrauen konnte. Sie arbeiteten für ihn, um seine Ziele zu erreichen. Dagegen sind Kabinettsmitglieder wie Tillerson – der Ex-Exxon-Chef war einst der mächtigste Mann im internationalen Ölgeschäft – keine Angestellten. Was Trump nicht daran hinderte, sie als solche zu behandeln. Als Tillerson mit Trump beim Staatsbankett in Peking saß, wollte Trump sicherstellen, dass dieser die Gastgeber nicht brüskieren würde. "Iss deinen Salat, Rex", wies er seinen Außenminister an. 

Trump will auch nicht verstehen, warum er seinem Justizminister Jeff Sessions nicht einfach Anordnungen geben kann. Wiederholt hat er Sessions für dessen "Illoyalität" kritisiert, wie der Präsident es sieht. Auch wenn seine Berater wie Cohn gegen Trumps Vorhaben und Ideen argumentieren, dann fühlt der sich in seiner Autorität angegriffen.

Vor diesem Hintergrund ist der Aufstieg Peter Navarros zu Trumps führendem Ratgeber in Handelsfragen, zu verstehen. Navarro ist einer der wenigen Ökonomen, die Freihandel ablehnen. Problematisch ist jedoch, dass Navarro selbst seine Rolle nicht als unabhängige Stimme im Weißen Haus sieht. Seine Funktion als Volkswirt sei es, so erklärte er dem Nachrichtendienst Bloomberg kürzlich, dem Präsidenten die notwendigen Analysen zu liefern, die "dessen Instinkt bestätigen". Und der liege, so Navarro, "immer richtig".

Trumps größtes Problem mit Tillerson war, dass dieser Positionen vertrat, die in aller Öffentlichkeit denen des Präsidenten widersprachen. Angefangen vom Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, den Tillerson für falsch hielt, dann sein Festhalten am Nuklearabkommen mit dem Iran, seine Opposition gegen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Auch hier ließe sich die Liste beliebig verlängern. Angesichts dieser geballten Opposition Tillersons tat Trump das, was man als Boss mit einem meuternden Angestellten macht: Man feuert ihn.

Trump besteht auf persönliche Treue

Zwischen Trump und dem neuen Außenminister Mike Pompeo dagegen gibt es keine solchen Differenzen. Einst ein scharfer Kritiker, folgt Pompeo heute treu Trumps Linie. Als Geheimdienstchef hat er sich angewöhnt, wann immer möglich, den Präsidenten jeden Morgen selbst auf den neuesten Stand zu bringen, statt diese Aufgabe einem seiner Untergebenen zu überlassen. Das ist die Art Vertrautheit, die Trump schätzt. Er besteht auf persönliche Treue.

Der Kreis der Mitarbeiter, auf die Trump sich bedingungslos verlassen kann, ist jedoch drastisch geschrumpft. Keith Schiller, ein Ex-Polizist und Trumps Bodyguard, war als Bürochef von New York ins Weiße Haus mitgegangen. Er hat seinen Boss vor Jahren auf dessen Trip zu den Misswahlen nach Moskau begleitet und er war es auch, den Trump im vergangenen Jahr mit den umstrittenen Entlassungspapieren für FBI-Chef James Comey losschickte. Im September, nicht lange nachdem er zu diesen Sachverhalten von Sonderermittler Mueller befragt wurde, verabschiedete sich Schiller aus dem Weißen Haus.