Sollte Donald Trump auf einen einfachen politischen Sieg gehofft haben, so wurde er am Donnerstagnachmittag enttäuscht. Gerade hatte der US-Präsident nach monatelangen Diskussionen in seinem engsten Beraterkreis Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium angekündigt – und damit ein altes Wahlkampfversprechen eingelöst, das er vor allem der eigenen Industrie gegeben hatte. "Sie werden für sehr lange Zeit geschützt sein", sagte Trump schließlich bei einem Treffen mit Branchenvertretern vor laufenden Kameras.

Doch die Reaktionen fielen verhalten aus. Während die Aktien der Stahlproduzenten zulegten, wurde die Entscheidung von der heimischen Autoindustrie und dem Ausland kritisiert. Und selbst in den eigenen Reihen zeigte sich offene Skepsis: Die Zölle träfen vor allem die Unternehmen aus seinem Heimatstaat, sagte Roy Blunt, republikanischer Senator aus Missouri. "Wir stellen zwar Stahl und Aluminium her, aber wir kaufen noch viel mehr ein." Der Schritt sei schlecht für Verbraucher, erhöhe die Preise und koste mehr Jobs, als er rette, stimmte sein Parteikollege Pat Toomey aus Pennsylvania zu. Der US-Leitindex Dow Jones verlor 420 Punkte.

Für Trump aber sind die Zölle – angekündigt sind 25 Prozent auf Stahl- und zehn Prozent auf Aluminiumimporte – der bislang ehrgeizigste Versuch, die Dynamik im internationalen Handel nachhaltig zugunsten der USA zu verändern. Kurz nach der Amtsübernahme hatte der Präsident den Austritt aus dem Transpazifischen Handelsabkommen (TPP) erklärt, vor wenigen Wochen kündigte er Zölle auf die Einfuhren von Solarpanels und Waschmaschinen an. Größere politische Erfolge, etwa in den Wirtschaftsbeziehungen mit der EU oder China, kann Trump bisher aber nicht vorweisen.

Mit den Zöllen hofft Trump nun, der angeschlagenen US-Metallindustrie zu helfen, die hohe Erwartungen in den Bauunternehmer gesetzt hat. Viele Hersteller haben die Produktion wegen fehlender Nachfrage und zu hoher Kosten in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgefahren oder ganz aufgegeben. Das hat vor allem die Arbeiter getroffen: Waren im Boomjahr 1953 noch 650.000 US-Amerikaner in der Stahlindustrie beschäftigt, lag die Zahl zuletzt bei 142.000. In der Aluminiumbranche arbeiten derzeit noch knapp 160.000 Menschen. Für die US-Wirtschaft spielen die Branchen kaum noch eine Rolle: Der Anteil der Metallindustrie am Bruttoinlandsprodukt liegt unter einem Prozent. 

Probleme mit der Produktion

Die eigentlichen Ursachen für die Probleme liegen laut Experten weniger in der Konkurrenz aus dem Ausland, die Trump mit den Zöllen treffen will, sondern vor allem im technischen Fortschritt und in steigender Produktivität. Kleinere und agile Produzenten machen den großen, trägen Fabriken starke Konkurrenz. Sie setzen auf das Recycling alter Materialien und können auf Marktzyklen deutlich schneller reagieren. Inzwischen machen sie mehr als 50 Prozent der Gesamtproduktion aus. Das hat nicht nur viele traditionelle Wettbewerber aus dem Markt gedrängt, sondern wegen zunehmender Automatisierung auch die Zahl der Arbeitsplätze verringert.

Hinzu kommt, dass die USA derzeit viermal so viel Stahl und Aluminium importieren, wie sie exportieren. Bei einem Großteil dieser Importe handelt es sich aber um hochspezialisierte Produkte, nicht etwa um Stahlträger aus der Massenproduktion, wie sie in der Baubranche eingesetzt werden. Viele der Produkte können laut Branchenkennern nicht ohne Weiteres in den USA hergestellt werden. Die US-Industrie müsse sich mit stärkerer Spezialisierung und neuen Technologien selbst helfen, sagt etwa der Ökonom Allan Collard-Wexler von der Duke University. Einfuhren aus China oder Taiwan würden zudem schon heute mit Antidumpinggesetzen beschränkt; mehr als 160 verschiedene Steuern regulierten den Import aus dem Ausland.