Die USA haben gelassen auf die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin reagiert, neue Waffensysteme zu entwickeln. "Das kommt für uns nicht überraschend", sagte Pentagon-Sprecherin Dana White. "Das amerikanische Volk kann sicher sein, dass wir darauf vollends vorbereitet sind", sagte sie. Den USA seien die russischen Rüstungsprogramme schon seit Langem bekannt. Allerdings habe die Regierung in Moskau diese bislang bestritten.

Putins Ankündigung, dass die neuen russischen Raketen die Raketenabwehr der Nato nutzlos machten, wies White zurück. Es sei bei der US-Raketenabwehr nie um Russland gegangen. Vielmehr sollen damit Angriffe des Irans, Nordkoreas und andere Bedrohungen abgefangen werden.

Heather Nauert, Sprecherin des Außenministeriums, kritisierte vor allem die Videoanimation während Putins Rede, die einen "Angriff auf die Vereinigten Staaten" simuliere. Sie bezeichnete das Video als "geschmacklos".

Am Donnerstag hatte Putin in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation neue Atomwaffen und weitere Waffensysteme der russischen Streitkräfte vorgestellt – unter anderem einen atombetriebenen Marschflugkörper. So berichtete er über eine neue Atomrakete mit "praktisch unbegrenztem" Aktionsradius, die von keinem Abwehrsystem der Welt abgefangen werden könne.

Die US-Regierung wirft Russland vor, mit den Plänen gegen internationale Rüstungskontrollvereinbarungen zu verstoßen. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, sagte, dass diese Projekte ein "direkter Verstoß" gegen die von Russland eingegangenen Verpflichtungen seien. 

Die US-Regierung versicherte, dass die amerikanischen Verteidigungsfähigkeiten "unübertroffen" seien. Regierungssprecherin Sanders verwies auf den neuen US-Verteidigungshaushalt mit einem Volumen von 700 Milliarden Dollar und die Pläne zur Modernisierung des US-Atomwaffenarsenals. So plant die US-Regierung die Entwicklung neuer kleinformatiger Atomwaffen.

Grüne befürchten Aufrüstungsspirale

Aus Deutschland kamen besorgte Reaktionen: Die Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger warnte vor einer Aufrüstungsspirale. Putin und Präsident Trump legten "die Axt an die noch wenigen funktionierenden Elemente der internationalen Rüstungskontrolle", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Dabei seien diese Instrumente in einer so gefährlichen Lage besonders notwendig.

Sie appellierte an die EU, schlichtend einzugreifen. Die Europäische Union müsse "endlich aus ihrem Winterschlaf erwachen" und die abrüstungspolitische Zusammenarbeit klar einfordern." Brugger betreut als stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende die Bereiche Internationales und Menschenrechte. Der deutsche Raketenexperte Robert Schmucker äußerte Zweifel an der Umsetzbarkeit von Putins Vorhaben: Es sei unrealistisch, dass Russland nicht abfangbare Raketen bauen könne.