Sie fordern, dass sich endlich etwas ändert: Hunderttausende Menschen demonstrieren in den USA für schärfere Waffengesetze. Allein in Washington sind eine halbe Million Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim March for Our Lives (Übersetzt: Marsch für unsere Leben) unterwegs. Sie tragen Schilder mit Parolen wie "Wir sind der Wandel" und "Kein weiteres Schweigen". Vor dem Trump-Tower in New York war zu lesen: "Wenn unsere Führer sich wie Kinder verhalten, müssen Kinder führen" oder "Ich wähle 2020".

Die Demonstranten in Washington zeigten Plakate mit Aufschriften wie "Schützt Kinder, nicht Waffen" oder "Ich lehre mit Büchern, nicht mit Waffen". Bei der Kundgebung sprach auch die neunjährige Enkelin des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Auch sie habe einen Traum, sagte Yolanda Renee King in Anlehnung an das wohl berühmteste Zitat ihres Großvaters: "Dies sollte eine Welt ohne Waffen sein. Punkt!"

"Wir können und wir werden die Welt ändern", sagte David Hogg, ein Überlebender des Parkland-Massakers in Florida Mitte Februar. Auch zahlreiche Prominente unterstützten den Protest. Die Reden wechselten sich mit musikalischen Auftritten unter anderen von Miley Cyrus, Ariana Grande, Demi Lovato und dem Rapper Common ab.

"Wir sind diejenigen, die jeden Tag Angst haben, zur Schule zu gehen", sagte die 17-jährige Lauren Tilley, die mit einer Gruppe aus Kalifornien zum Protestmarsch nach Washington gereist war. Es könne nicht so weitergehen wie bisher. Der 68-jährige Jeff Turchin aus New York sagte, er glaube an diese Bewegung: "Diese Kinder haben recht. Sie wollen leben."

Der 15-jährige Elijah Schneider aus New York nannte die Demonstration ein "historisches Ereignis" und verlangte mehr Sicherheit in den Schulen. "Etwas, das nichts mit Waffen zu tun hat. Wir brauchen etwas Besseres." Auf zahlreichen Plakaten wurde die mächtige US-Waffenlobby NRA angeprangert.

Waffenkäufe erst ab 21 Jahren?

An der Spitze der Never-again-Bewegung stehen Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland. Ein ehemaliger Mitschüler hatte dort im Februar 17 Menschen mit einem Schnellfeuergewehr erschossen. Seitdem wird in den USA wieder intensiv über die laxen US-Waffenrechte diskutiert, weitreichende Gesetzesänderungen wurden indes nicht beschlossen.

Die Schülerinnen und Schüler fordern unter anderem ein völliges Verbot von halbautomatischen Waffen in den Händen von Zivilisten und eine generelle Heraufsetzung des Alters bei Waffenkäufen auf 21 Jahre.

Am Freitag legte die US-Regierung ein Gesetz zum Verbot von Schnellfeueraufsätzen vor. "Wir werden Vorrichtungen verbieten, die legale Waffen in illegale Maschinengewehre umwandeln", sagte Präsident Donald Trump. Mithilfe der sogenannten Bump Stocks kann eine halbautomatische Waffe zu einer vollautomatischen Waffe aufgerüstet werden.

Forderungen nach einschneidenden Reformen des Waffenrechts blieben in den USA stets ungehört. Es gibt in dem Land zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, die auf ihr Recht auf Selbstverteidigung bestehen. Zudem ist die Waffenlobby NRA überaus mächtig. US-Präsident Trump pries die NRA in den vergangenen Wochen immer wieder, Mitarbeiter der Waffenlobby seien gute Freunde von ihm und wüssten, was sie täten. Kurzzeitig hatte sich Trump als Reaktion auf das Massaker in Parkland für deutliche Gesetzesverschärfungen ausgesprochen, rückte dann aber wieder davon ab.

"Kämpfen, bis sich etwas ändert"

Die Organisatoren der Protestmärsche wollen sich damit nicht abfinden – seit Wochen werben sie eindringlich für ein strengeres Waffenrecht. "Der Marsch ist erst der Anfang", sagte die Parkland-Schülerin Aalayah Eastmond. "Wir werden kämpfen, bis sich etwas ändert."

Die Protestbewegung ist vorbereitet: In den vergangenen Wochen wurden Spenden eingesammelt, auch sagten zahlreiche Prominente ihre Unterstützung zu. Auch der Schauspieler George Clooney und seine Frau Amal, die Moderatorin Oprah Winfrey und der Regisseur Steven Spielberg haben sich an die Seite der Schülerinnen und Schüler gestellt.

Das Weiße Haus veröffentlichte eine Erklärung, in der es hieß: "Wir applaudieren den vielen mutigen jungen Amerikanern, die heute ihr Verfassungsrecht nach Artikel eins (Recht auf freie Meinungsäußerung) ausüben. Unsere Kinder zu schützen ist eine Toppriorität des Präsidenten." Trump wird während der Demonstration nicht in Washington sein. Er verbringt das Wochenende auf seinem privaten Luxusanwesen Mar-a-Lago.

Obama und Clinton sind solidarisch

Der frühere US-Präsident Barack Obama, der sich in seiner Amtszeit erfolglos für strengere Waffengesetze eingesetzt hatte, lobte in einem Brief an die Parkland-Schüler ihre "Ausdauer, Entschlossenheit und Solidarität". Sie hätten dabei geholfen, das Gewissen der Nation zu wecken. Der frühere US-Präsident Bill Clinton erklärte, das Land müsse den Schülern und ihren Mitstreitern dankbar sein.

Unterstützung bekommen die Demonstranten auch aus dem Ausland: Fotos von Solidaritätskundgebungen in Nordirland, auf Mauritius und in Schweden wurden auf Twitter geteilt. In Paris und London sowie in mehreren deutschen Städten gab es Demonstrationen, darunter in München und Berlin. In der bayerischen Landeshauptstadt nahmen etwa 300 Menschen an dem Protestmarsch teil, der am US-Konsulat vorbeiführte.