50 Millionen Italienerinnen und Italiener können seit Sonntagmorgen ihre Stimme für ein neues Parlament abgeben. 39 Parteien und Wahlbündnisse stehen zur Wahl – klare Mehrheiten werden nach bisherigen Umfragen nicht erwartet. Der Ausgang ist also völlig offen. Die Regierungsbildung könnte sich daher schwierig gestalten.

Erstmals wird in Italien ein neues Wahlsystem angewandt, eine Mischung aus Persönlichkeits- und Verhältniswahl ähnlich wie in Deutschland. Prognosen auf der Basis von Nachwahlbefragungen sollen unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 23 Uhr veröffentlicht werden. Wann erste belastbare Hochrechnungen vorliegen werden, ist ungewiss. Bei den letzten vor zwei Wochen veröffentlichten Umfragen war rund ein Drittel der Wahlberechtigten unentschieden, was eine Vorhersage des Ergebnisses erschwerte.

Die Meinungsforscher trauten nur dem Mitte-rechts-Block des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu, eine regierungstaugliche Mehrheit zu erreichen. Auf das Bündnis aus Berlusconis Forza Italia, der fremdenfeindlichen Lega von Matteo Salvini und weiteren rechten Parteien dürften Schätzungen zufolge 35 bis 37 Prozent der Stimmen entfallen. Unklar ist, ob es auch für die nötige Mehrheit der Mandate reicht.

Stärkste Einzelpartei könnten die Cinque Stelle, die populistische Fünf-Sterne-Bewegung von Luigi Di Maio, mit 27 bis 29 Prozent werden. Sie wird wohl die nötige Mehrheit ebenso verfehlen wie das Mitte-links-Bündnis von Ministerpräsident Paolo Gentiloni (27 bis 29 Prozent). Ob der Sozialdemokrat im Falle eines Wahlsieges wieder die Regierung führt oder sein Parteifreund und Chef der Partito Democratico, Ex-Regierungschef Matteo Renzi, blieb offen.

Gentiloni hat eine stabile Regierung in Aussicht gestellt und eine große Koalition aus nichtpopulistischen Parteien nach deutschem Vorbild ins Spiel gebracht. Das würde ein Bündnis aus Partito Democratico und Forza Italia bedeuten – wenn es dafür reicht. Berlusconi selbst könnte nicht Ministerpräsident werden, da er nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung bis 2019 kein öffentliches Amt bekleiden darf. Der 81-Jährige hat für den Fall eines Wahlsieges einen langjährigen Weggefährten als Regierungschef vorgeschlagen: den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani.

Wegen einer Panne öffneten einige Wahllokale verspätet

Im Vorfeld der Wahl war es in Palermo auf Sizilien zu einer Panne gekommen. Wegen eines Fehlers mussten in der Nacht zum Sonntag Tausende Wahlzettel neu gedruckt werden. Es sei ein Skandal, dass einige Wahllokale daher nur verspätet öffnen konnten, twitterte Senatspräsident Pietro Grasso. Er ist Chef der Linkspartei Liberi e Uguali und tritt in Palermo an. "Am wichtigsten Tag einer Demokratie sind Verspätungen und Fehler inakzeptabel", sagte er. Am Vormittag schienen die Probleme bewältigt. In Palermo wählte dann auch Staatspräsident Sergio Mattarella.