Russland sieht seine Beziehungen zur Regierung in Washington zerrüttet, nachdem diese angekündigt hat, 60 russische Diplomaten des Landes zu verweisen. Mit diesem Schritt werde "das Wenige zerstört, das von den russisch-amerikanischen Beziehungen übrig ist", sagte der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow, nach Angaben der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Die Verantwortung für die "Zerstörungen" im bilateralen Verhältnis liege bei den USA.

Die US-Regierung reagiert mit der Ausweisung auf den Giftanschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julija in Großbritannien. Der Schritt ist mit der EU und anderen Regierungen abgestimmt. Fast 20 Staaten weisen russische Diplomaten aus, darunter auch Deutschland.

Die Maßnahmen stellten für die "Qualität und Quantität" der Arbeit in der russischen Botschaft einen "schweren Schlag" dar, sagte Antonow. Sie stünden im Widerspruch zu den Inhalten der Telefonate zwischen dem russischen Staatschef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump.

Russland werde nun "entsprechende" Gegenmaßnahmen ergreifen, kündigte der Botschafter an. Der Sprecher der russischen Regierung, Dmitri Peskow, sagte laut Nachrichtenagentur Tass, die russische Regierung bedaure die Entscheidungen sehr. Erneut wies Peskow jegliche Verwicklung in den Fall Skripal zurück: "Russland hatte und hat nichts mit diesem Fall zu tun."

Auch das russische Konsulat in Seattle wird geschlossen

Die US-Regierung teilte mit, bei den Ausgewiesenen handele es sich um "bekannte Mitarbeiter der Geheimdienste". Sie arbeiten den US-Regierungsangaben zufolge nicht nur in der Botschaft in Washington, sondern in diplomatischen Vertretungen im ganzen Land. Unter ihnen sind demnach zwölf Mitarbeiter der russischen Vertretung am UN-Hauptquartier in New York.

Trump ordnete auch die komplette Schließung des russischen Konsulats in der Westküstenstadt Seattle an. Das Konsulat werde für Spionageaktivitäten gegen eine nahegelegene U-Boot-Basis sowie gegen die Fabrik des Flugzeugherstellers Boeing genutzt, hieß es zur Begründung. Die 60 Russen hätten sieben Tage Zeit, das Land zu verlassen.

Mit den Ausweisungen demonstrierten die USA ihre "unverbrüchliche Solidarität" mit Großbritannien, erklärte das US-Außenministerium. Sie seien eine Antwort auf die "fortgesetzten Verstöße" Russlands gegen die internationalen Regeln.