Wikileaks-Gründer Julian Assange kann nicht mehr per Internet mit der Außenwelt kommunizieren. Ecuadors Botschaft sperrte dem Australier "alle Möglichkeiten, außerhalb der Botschaft zu kommunizieren", heißt es in der Erklärung der Regierung in Quito. Sie gewährt Assange seit 2012 in ihrer Botschaft in London Asyl. Seit dem 12. Dezember ist Assange auch ecuadorianischer Staatsbürger. 

Ecuador will damit verhindern, dass sich Assange in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischt, hieß es zur Begründung. Assanges Äußerungen in sozialen Medien gefährdeten die Beziehungen Ecuadors zu den EU-Staaten. Der WikiLeaks-Gründer hatte bei Twitter die britischen Schuldzuweisungen gegenüber Russland im Fall Skripal infrage gestellt. Zudem kritisierte er die wegen des Giftanschlags auf den russischen Ex-Spion verhängten Sanktionen gegen Moskau. Außerdem hatte Assange über Twitter die Festnahme des ehemaligen katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont in Deutschland kritisiert und ihn als "politischen Häftling" bezeichnet.

Ecuador will Assanges Aufenthalt beenden

Assange war 2012 in die ecuadorianische Botschaft geflohen, um einer Auslieferung an Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft legte den Fall vergangenes Jahr zu den Akten. Scotland Yard kündigte dennoch an, Assange festzunehmen, sobald er die Botschaft verlässt. Britische Behörden werfen ihm vor, 2010 gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben. Assange befürchtet, an die USA überstellt zu werden, wo ihm wegen der Leaks geheimer Dokumente des US-Militärs ein Prozess und möglicherweise sogar die Todesstrafe droht. Er hatte 2010 mit dem Deutschen Daniel Domscheit-Berg mehr als 250.000 vertrauliche Dokumente von US-Botschaften veröffentlicht.

Bereits 2016 hatte Ecuador Assanges Internetzugang vorübergehend abgeschaltet. Damals hatte WikiLeaks gehackte E-Mails aus dem Wahlkampfteam der demokratischen US- Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton veröffentlicht, was ihrer Kampagne schadete. Die ecuadorianische Regierung will zurzeit mithilfe eines internationalen Mediators die Situation von Assange klären und seinen Aufenthalt in der Botschaft beenden. Assange selbst sieht sich als "politischen Flüchtling", der um seine Rechte gebracht wurde. Bereits seit Längerem fordern die UN, Assange müsse sich frei bewegen können. Sein jahrelanger Aufenthalt in der Botschaft sei eine unrechtmäßig erlittene Haft, für die er entschädigt werden müsse.