James Comey geht in einem neuen Buch über die Vorgeschichte seiner Entlassung als FBI-Chef hart mit US-Präsident Donald Trump ins Gericht. Trump sei "unethisch" und "losgelöst von der Wahrheit", heißt es in dem Buch A Higher Loyalty, das kommende Woche in den USA erscheinen soll und aus dem mehrere US-Medien zitieren. Demnach schreibt Comey, Trump fordere absolute Loyalität, sehe die ganze Welt gegen sich und lüge in jeder Hinsicht. Der Präsident lebe in einem "Kokon einer alternativen Realität", in den er die Menschen in seinem Umfeld hineinziehen will.

"Trumps Präsidentschaft bedroht vieles"

Den Präsidenten beschreibt Comey als einen Mann, dessen Führungsstil vom eigenen Ego und persönlicher Loyalität getrieben sei. "Dieser Präsident ist skrupellos und nicht an die Wahrheit und institutionelle Werte gebunden", zitiert die New York Times aus dem Buch. Auch sei Trump eine "Art Mafiaboss", der die Grenzen zwischen Polizeiarbeit und Politik habe verwischen wollen. "Donald Trumps Präsidentschaft bedroht vieles von dem, das in dieser Nation gut ist", schreibt Comey laut US-Medien.  

Trump hatte Comey im Mai vergangenen Jahres überraschend gefeuert. Der Präsident begründete den Rauswurf damals unter anderem mit den FBI-Ermittlungen zur Russland-Affäre – also zu möglichen illegalen Kontakten des Trump-Teams nach Moskau in der Zeit vor dem Amtsantritt des Präsidenten. Die Absetzung von Comey zog auch die Einsetzung von FBI-Sonderermittler Robert Mueller nach sich. Dieser prüft nicht nur eine mutmaßliche russische Einmischung in die US-Wahl 2016, sondern auch den Vorwurf, wonach Trump mit dem Rauswurf Comeys die Justiz behindert habe. Der Präsident hat dies zurückgewiesen und Comey zuletzt als "Lügner" und "Angeber" bezeichnet.

Comey erstaunt über erstes Treffen mit Trump

Diesen Anschuldigungen tritt Comey nun mit seinem Buch entgegen, bei dem er sich sowohl auf öffentliche Aussagen als auch auf persönliche Notizen über Zwiegespräche mit Trump beruft. Nach eigenen Angaben habe er schon früh jegliche Details der Treffen schriftlich festgehalten, da er zunehmend Zweifel an der Integrität des Präsidenten hegte. Im Weißen Haus und in der republikanischen Partei fürchtet man den möglichen Schaden, den das Buch für Trumps Präsidentschaft und die Erfolgschancen der Konservativen bei den Kongresswahlen im November bedeuten könnte.

Dies gilt auch für eine Passage, in der der Ex-FBI-Direktor ausführlich sein erstes Treffen mit Trump nach der Präsidentschaftswahl 2016 beschreibt. An der Zusammenkunft im Januar 2017 im Trump Tower in New York nahmen Vizepräsident Mike Pence, Trumps erster Stabschef Reince Priebus und der damalige Nationale Sicherheitsberater Michael Flynn teil. Anwesend war auch der damalige Geheimdienstdirektor James Clapper, der die Spitze der künftigen US-Regierung über Erkenntnisse zu einer russischen Einmischung in die Wahl informierte. Comey schreibt, er sei erstaunt darüber gewesen, was das Team von Trump nicht gefragt habe. "Sie standen kurz davor, die Führung eines Landes zu übernehmen, das von einem ausländischen Feind attackiert worden war, hatten jedoch keine Fragen über mögliche künftige russische Bedrohungen. Stattdessen wurde daraus dann eine Strategiesitzung zur Frage, wie das, was wir ihnen gerade erzählt haben, der Öffentlichkeit verkauft werden könnte." Er habe sich an seine Zeit als Staatsanwalt in Manhattan erinnert gefühlt, als er gegen die italienische Mafia ermittelte.