Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat dem Iran vorgeworfen, weiter den Bau einer Atombombe anzustreben und damit gegen das Atomabkommen zu verstoßen. Netanjahu präsentierte vor Journalisten in Tel Aviv Dokumente und Bilder aus einem "geheimen Atomarchiv" in Teheran. Sie sollen von Israels Geheimdienst aufgespürt worden sein und Netanjahus Aussagen belegen. Er sprach von "neuen und schlüssigen Beweisen".

"Iran lügt dreist", sagte Netanjahu mit Blick auf die Beteuerungen der iranischen Führung, nicht den Bau von Atomwaffen anzustreben. Netanjahu zufolge versteckt die Führung in Teheran die Dokumente zu seinem Atomwaffenprogramm, um es zu einem geeigneten Zeitpunkt weiterbetreiben zu können.

Ziel sei es, auch Langstreckenraketen mit Atombomben bestücken zu können. Netanjahu kündigte an, die Dokumente mit anderen Staaten und der Internationalen Atomenergiekommission teilen zu wollen. Die Informationen seien schon mit den USA geteilt worden.

US-Präsident Donald Trump sagte, Netanjahus Präsentation zeige, dass er mit seiner Meinung über den Iran zu "hundert Prozent" Recht gehabt habe. Das Atomabkommen mit dem Iran sei ein "schrecklicher Deal". Die Situation sei nicht akzeptabel, kritisierte Trump. Der Iran sei nicht untätig.

Bis zum 12. Mai muss sich Trump entscheiden, ob die US-Sanktionen gegen den Iran weiter ausgesetzt bleiben oder wieder aufgenommen werden. Eine Entscheidung für Sanktionen wäre gleichzeitig de facto ein Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen.

Am Sonntag hatte Netanjahu mit dem neuen US-Außenminister Mike Pompeo über den Iran beraten und zudem mit Trump telefoniert. Im Anschluss hatte Pompeo erklärt: "Wir sind weiterhin sehr besorgt über die gefährliche Eskalation der Bedrohung Israels und der Region durch den Iran." Netanjahu bezeichnete das iranische Atomprogramm als größte Bedrohung für die Welt, insbesondere für Israel und die USA. 

Der Iran hatte sich in einer Vereinbarung aus dem Juli 2015 dazu verpflichtet, keine Atomwaffen anzustreben. Daraufhin hoben mehrere westliche Staaten ihre Sanktionen gegen den Iran auf. Trump hatte das Abkommen, das sein Vorgänger Barack Obama mit ausgehandelt hatte, mehrfach kritisiert. Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen die USA dazu bewegen, den Vertrag einzuhalten.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA überwacht das Abkommen. Sie bescheinigt dem Iran, die Auflagen zu erfüllen.