Der brasilianische Ex-Staatspräsident Inácio Lula da Silva schaltet angesichts des gegen ihn erlassenen Haftbefehls den Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen (UN) in Genf ein. Es sei dort am Freitag eine einstweilige Verfügung beantragt worden, um eine Inhaftierung noch abzuwenden, sagte Lulas Rechtsanwalt Cristiano Zanin Martins der Deutschen Presse-Agentur. Über die einstweilige Verfügung wolle man eine Inhaftierung abwenden, bis alle Rechtsmittel gegen Lulas Verurteilung zu zwölf Jahren Haft erschöpft seien.

In Genf bestätigte eine UN-Sprecherin die Angaben. Der Menschenrechtsausschuss habe einen Antrag auf eine "einstweilige Maßnahme" empfangen. Der Menschenrechtsausschuss werde sich in den kommenden Tagen mit dem Antrag Lulas befassen.

Brasilianische Medien berichten, Lulas Rechtsbeistände hätten noch weitere Rechtsmittel gegen die Inhaftierung eingelegt. Dem Ex-Präsidenten stehen in Brasilien noch weitere Berufungsinstanzen gegen den Haftbefehl vor dem obersten Gerichtshof (STJ) und dem für Verfassungsfragen zuständigen STF offen.

Am Donnerstag hatte der Richter Sérgio Moro Haftbefehl gegen den wegen Korruption verurteilten Lula erlassen. Er sollte sich am Freitag bis 17 Uhr (22 Uhr MESZ) der Polizei in der südbrasilianischen Stadt Curitiba stellen.

Lula will Anordnung des Gerichts nicht folgen

Doch Lula hat nach eigenen Angaben nicht vor, dorthin zu fliegen. In einem Telefongespräch mit der Zeitung Folha de São Paulo sagte er, er werde sich der Polizei nicht stellen.

Lula verbrachte die Nacht zum Freitag im Sitz der Metallarbeitergewerkschaft von São Bernardo do Campo in der Umgebung von São Paulo, wo er Ende der Siebzigerjahre seine Laufbahn begonnen hatte. Vor dem Gewerkschaftsgebäude versammelten sich am Freitag zahlreiche Anhängerinnen und Anhänger des ehemaligen Staatschefs.

Der oberste Bundesgerichtshof Brasiliens hatte zuvor einen Antrag Lulas abgewiesen, bis zum Abschluss eines Berufungsverfahrens nicht in Haft zu müssen. Der 72-Jährige soll in dem Skandal um Schmiergelder bei Auftragsvergaben an den staatlichen Ölkonzern Petrobras von dem Bauunternehmen OAS die Renovierung eines Luxusappartements angenommen haben.

Lula war zwischen 2003 und 2011 brasilianischer Staatschef. Bei der Wahl im Oktober will er erneut für das höchste Staatsamt kandidieren.