Der Mitte-links-Politiker Carlos Alvarado ist in Costa Rica zum neuen Präsidenten gewählt worden. Der 38-jährige Kandidat der Regierungspartei PAC setzte sich in einer Stichwahl gegen seinen gleichnamigen Konkurrenten Fabricio Alvarado durch, wie die Wahlkommission bekannt gab. Auf Carlos Alvarado entfielen demnach knapp 61 Prozent der Stimmen, nachdem rund 95 Prozent der Stimmen ausgezählt waren. Rund 3,3 Millionen Costa Ricaner und Costa Ricanerinnen waren zur Wahl aufgerufen.

Der sozialdemokratische Regierungskandidat Carlos Alvarado, Hobby-Rocksänger und ehemaliger Arbeitsminister, steht für liberale Positionen in gesellschaftlichen Fragen. Er hatte im Wahlkampf versprochen, die Rechte von Homosexuellen und die Ehe für alle zu verteidigen. In der ersten Wahlrunde war er auf knapp 22 Prozent gekommen. Er trat als politischer Erbe von Staatschef Luis Guillermo Solís an, der vor vier Jahren erstmals das höchste Staatsamt für die Mitte-links-Partei PAC erobert hatte.

Fabricio Alvarado, radikaler Gegner der Ehe für alle

Der evangelikale Aktivist Fabricio Alvarado, der nicht verwandt ist mit seinem Konkurrenten Carlos Alvarado, hatte im ersten Wahlgang mit knapp 25 Prozent der Stimmen gesiegt. Er trat als radikaler Gegner der Ehe für alle auf, die nach einem Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte in allen Mitgliedsstaaten zugelassen werden soll. Im Wahlkampf machte sich der 43 Jahre alte Evangelikale die Empörung über die Anordnung in dem konservativen Land zunutze.

Carlos Alvarado wird keine eigene Mehrheit im Parlament haben. Beide Kandidaten hatten deshalb bereits Gespräche mit anderen Parteien eingeleitet, um im Fall eines Wahlsieges eine Koalitionsregierung aufzubauen. Carlos Alvarado wird sich mit einer schweren Krise des Staatshaushalts, Korruptionsaffären und ansteigender Drogenkriminalität auseinandersetzen müssen. Das Staatsdefizit betrug 2017 knapp sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts.