Es war Mitte Dezember, als Denk gerade erfolgreich eine Kommunalwahlveranstaltung des Rechtspopulisten Geert Wilders gekapert hatte. "Mit der negativen Botschaft von Wilders ist es jetzt vorbei, die Niederlande sind fertig damit", sagte Farid Azarkan, Mitglied von Denk, der ersten explizit auf Wähler mit Migrationshintergrund fokussierten Partei der Niederlande.

Wilders hatte eigentlich seinen Rotterdamer Spitzenkandidaten für die Wahl auf dem Platz vor der größten Moschee des Landes präsentieren wollen. Die Aktion wäre eine geplante Provokation gewesen in einem Viertel, in dem 75 Prozent der Einwohner ausländische Wurzeln haben. Doch eine halbe Stunde vor Wilders Termin fuhren die Denk-Mitglieder zur Moschee. Sie gaben bekannt, dass auch sie an den Kommunalwahlen in Rotterdam teilnehmen würden. Und sie zeigten dabei niederländische Fahnen.

Der selbstbewusste Stil ist typisch für Denk. Die Partei ist eine Antwort auf die rechtsnationalistische Rhetorik Geert Wilders‘. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 hat Denk einige Erfolge vorzuweisen. Sie ist in 13 Gemeinden der Niederlande vertreten. Im nationalen Parlament hat sie drei von 150 Sitzen erkämpft. Besonders viele türkisch- und marokkanischstämmige Niederländer stimmten bei den Wahlen für Denk.

Doch die Partei will mehr und plant bereits über die niederländischen Grenzen hinaus. "2024 werden wir nach Deutschland kommen. Das ist unser Ziel", sagt der Denk-Gründer Tunahan Kuzu. 2024 möchte die Partei hierzulande an den Europawahlen teilnehmen. Das klingt nach einem langfristigen und ambitionierten Plan. Doch hätte Denk auch in Deutschland Chancen?

Die Denk-Chefs Tunahan Kuzu und Farid Azarkan sagen: Ja. Denk biete eine Alternative zur heutigen europaweiten Uneinigkeit über Identität, Religion und Einwanderung, so ihre Botschaft. "Die Wirtschaft läuft besser, jetzt ist es Zeit für einen positiven, neuen Ton", sagt Azarkan.

Der Auftritt von ihm in der Essalam-Moschee in Rotterdam war typisch für Denk. Azarkan aß Nussgebäck, das der Imam ihm angeboten hatte, und sprach dabei freundlich mit allen Menschen in der Moschee. Denk kämpft dafür, dass Niederländer mit Migrationshintergrund von der Gesellschaft als vollwertige Bürger anerkannt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Partei keine Kompromisse eingehen. "Wer schon hier ist, muss sich nicht integrieren, sondern er muss akzeptiert werden", sagt Tunahan Kuzu. Zu oft spreche man von "diesen Türken" oder "diesen Muslimen", die gegenüber "den Niederländern" stünden. "Wir sind aber auch ein Teil der Niederlande. Deswegen sind unsere Parteischwerpunkte Antidiskriminierung sowie gleiche und ehrliche Behandlung für alle", sagt Kuzu.

Diese Botschaft von Denk hat durch eine kluge Social-Media-Strategie viele jüngere Wähler in den Niederlanden erreicht. "Menschen, die jetzt in ihren zwanziger und dreißiger Jahren sind, wuchsen in den Jahren nach den Anschlägen von 9/11 auf", sagt Kuzu. "Seitdem wurden sie immer wieder auf ihre Herkunft angesprochen. Sie müssen immer wieder Rechenschaft darüber ablegen, dass sie Muslim sind und damit angeblich mehr über Terrorismus wissen müssten."