Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für gemeinsame Anstrengungen mit den USA ausgesprochen, um die Krisenherde der Welt zu beruhigen. Sie nannte unter anderem den Konflikt mit dem Iran und den Krieg in Syrien. "Deutschland und die Vereinigten Staaten sollten da eng zusammenarbeiten, auch um das schreckliche Blutvergießen in Syrien zu beenden und eine Lösung für die Region insgesamt hinzubekommen", sagte Merkel. Zufrieden äußerte sie sich über die Zusammenarbeit mit den USA beim Thema Russland. Es gebe "ein hohes Maß an Übereinstimmung" im Blick auf die Konflikte mit Russland und Moskaus Rolle in Syrien, sagte Merkel.

Die Bundeskanzlerin war zu einem knapp dreistündigen Treffen mit US-Präsident Donald Trump nach Washington gereist. Themen des Arbeitsbesuchs waren neben den internationalen Konflikten auch der Welthandel und die Verteidigungsausgaben. Es war das erste Treffen beider seit etwa einem Jahr und mit der Erwartung verbunden, dass sich die Beziehungen Deutschlands zu den USA verbessern. Denn die angekündigten Importzölle, die Trump als Strafzölle bezeichnet, hatten neben dem national orientierten Kurs Trumps das gegenseitige Verhältnis belastet. Trump lobte Merkel: "Sie macht einen fantastischen Job."

Merkel sagte, sie könne sich vorstellen, dass Europa auch in neue Handelsgespräche mit den USA einsteige. Die Kanzlerin verwies auf den regen gegenseitigen Warenaustausch. Trump beklagte den hohen Handelsüberschuss der EU von gut 150 Milliarden Dollar pro Jahr. Deshalb hatte er angekündigt, Importzoll auf europäische Waren zu erheben. Eine von den USA zugebilligte Schonfrist läuft in wenigen Tagen aus. Die EU hatte mit Gegenmaßnahmen gedroht. Inhaltlich kamen sich beide nicht näher. Merkel sagte angesichts der ablaufenden Schonfrist: "Der Präsident wird entscheiden."

Verteidigungsausgaben sollen erhöht werden

Merkel sagte weiter, Deutschland stehe zu seinem Ziel, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Man sei auf gutem Weg, aber noch nicht an der in der Nato vereinbarten Marke. Trump forderte Deutschland erneut auf, mindestens zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Die Europäer müssten angemessen für ihre Sicherheit sorgen, sagte der US-Präsident.

Nach dem Treffen sagte Merkel, die EU und Deutschland müssen mehr Verantwortung in der Welt übernehmen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Die Zeit der Nachkriegsordnung, in der Europa und Deutschland vor allem vom Einsatz der USA profitiert hätten, sei vorbei. Die Amerikaner fragten sich nun, welchen Nutzen dieser Einsatz für sie habe. Es sei richtig, wenn der US-Präsident sage, Europa sei zwar ökonomisch erfolgreich, aber wolle beim militärischen Engagement nicht viel tun.

Merkel kritisiert Iran

Beide äußerten sich auch zu der Annäherung von Nord- und Südkorea. Sie führten die politischen Fortschritte hin zu einer Friedenslösung auch auf die Vereinigten Staaten zurück. "Die Kampagne des maximalen Drucks hat uns geholfen, diesen Schritt zu erreichen", sagte Trump. Die USA würden den Druck nicht verringern, ehe eine vollkommene Denuklearisierung der Halbinsel erreicht sei. Er freue sich auf ein Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, das für die nächsten Wochen geplant sei. Auch Merkel sprach sich auch für eine kernwaffenfreie Zone in Korea aus.

Zugleich mahnte sie, mit dem Iran zu einer Lösung zu kommen. Trump nannte die dortige Regierung ein "mörderisches Regime". Er bekräftigte, dass der Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangen dürfe. Das Abkommen sei "ein erster Schritt", der dazu beigetragen habe, die Nuklear-Aktivitäten des Iran zu verlangsamen und auch besser zu überwachen, sagte sie Merkel nach dem Treffen. Dies reiche aber nicht aus, eine Rolle des Iran zu erreichen, die auf Verlässlichkeit gründe. "Deshalb muss mehr dazukommen." Es gelte, über die Dauer des Abkommens hinaus Verlässlichkeit zu schaffen.

Die Kanzlerin äußerte sich erfreut, dass die USA auch wieder einen Botschafter in Berlin haben. Unter den Teilnehmern der Pressekonferenz war auch der neu bestellte Vertreter der Bundesregierung in den USA, Richard Grenell.