Als Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgaseinsatz im syrischen Duma hat US-Präsident Donald Trump Raketenangriffe auf Syrien angekündigt. Russland habe zwar erklärt, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert würden, schrieb er auf Twitter. Doch die Geschosse "werden kommen, hübsch und neu und schlau".

Der Präsident gab der russischen Regierung eine Mitschuld an der Eskalation des Konflikts. Mit Blick auf deren militärischen und politischen Unterstützung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad twitterte Trump, der Kreml dürfe sich nicht mit einem "Tier" verbünden, das sein Volk mit Gas tötet und das genießt: "Mach dich bereit, Russland!".

Trump reagierte damit auf den mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Rebellenenklave Ostghuta, für den seine Regierung das syrische Regime und damit indirekt auch dessen russischen Verbündeten verantwortlich macht. Bereits Anfang der Woche hatte der Präsident davor gewarnt, die Schuldigen müssten einen "hohen Preis" zahlen. Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zu seinen jüngsten Äußerungen ab. Fragen zu Trumps Twitter-Ankündigung sollten an das Weiße Haus gerichtet werden, schreibt das Pentagon.

Russland mahnt USA zur Vorsicht

Das Außenministerium in Moskau reagierte umgehend auf Trumps Drohung und mahnte die USA zur Vorsicht. Die Geschosse sollten in Richtung Terroristen und nicht auf rechtmäßige Regierungen fliegen, hieß es in einer Erklärung. Der Einsatz "intelligenter Raketen" könne ein Versuch sein, Beweise für einen mutmaßlichen Angriff mit Chemiewaffen in Syrien zu zerstören.

Russland hatte – genau wie das Regime in Damaskus – die Berichte über den Giftgasangriff als "Propaganda" und "Inszenierung" von Assad-Gegnern bezeichnet. An dieser Darstellung hält die Regierung in Damaskus auch nach der Ankündigung von Trump fest. Wie das syrische Staatsfernsehen berichtete, wirft das Außenministerium den USA vor, mit Lügen einen Vorwand zu schaffen, um das Land ins Visier zu nehmen. Die Amerikaner sorgten gedankenlos für eine Eskalation. Überraschend sei das aber nicht, hieß es. Derweil berichten Aktivisten, syrische Truppen würden die wichtigsten Luftwaffenstützpunkte räumen.

"Auf dem Weg zu sehr traurigen und ernsten Ereignissen"

Schon zuvor hatte Russland die USA vor Vergeltungsangriffen gewarnt. Nach Angaben des russischen Botschafters im Libanon werde die russische Armee jegliche US-amerikanische Rakete auf syrischem Hoheitsgebiet abfangen. "Sollte es einen Angriff von Seiten Amerikas geben, werden die Raketen abgeschossen und die Objekte angegriffen, von denen sie abgefeuert wurden", sagte Alexander Sasypkin im libanesischen Fernsehen und berief sich dabei auf eine entsprechende Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin und des russischen Armeechefs vom 13. März.

Während einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Dienstagabend hatte auch Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja gewarnt, man befinde sich auf dem Weg zu "sehr traurigen und ernsten Ereignissen". "Ich fordere Sie erneut auf, ich bitte Sie erneut eindringlich, Ihre Pläne aufzugeben, die Sie aktuell für Syrien entwickeln", sagte er an die Adresse der USA. Kremlsprecher Dmitri Peskow rief die USA ebenfalls zur Besonnenheit auf. "Hoffentlich vermeiden alle Länder Schritte", sagte er der Agentur Tass zufolge. Dies gelte vor allem für Maßnahmen, die die ohnehin fragile Situation in der Region weiter destabilisieren könnten.

Beziehung zu Russland "schlechter denn je"

In einem weiteren Tweet äußerte sich Trump zu den Beziehungen seines Landes zu Russland. Seiner Meinung nach sind diese auf einem historischen Tief angekommen. Das Verhältnis zu Moskau sei "schlechter, als es je war, den Kalten Krieg eingeschlossen", schrieb der Präsident. Dabei sei Russland auf wirtschaftliche Hilfe der Vereinigten Staaten angewiesen, die diese "sehr einfach" leisten könnten. "Und wir brauchen alle, um zusammenzuarbeiten", fügte Trump hinzu. "Den Rüstungswettlauf stoppen?"

Erst vor wenigen Tagen hatte die US-Regierung Sanktionen gegen russische Oligarchen, Regierungsvertreter und Firmen verhängt und begründete dies mit den "andauernden und immer dreisteren boshaften Aktivitäten der russischen Regierung überall in der Welt" sowie den Konflikten in Syrien und der Ost-Ukraine. Zusätzlich belastet ist die Beziehung zwischen Washington und Moskau durch die gegenseitigen Ausweisungen von jeweils 60 Diplomaten. Diese erfolgten auf den Giftanschlag in England auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter, für den die russische Regierung verantwortlich sein soll.