Es ist eine bemerkenswerte Enthüllung, die Mike Pompeo, bisheriger CIA-Chef und designierter Außenminister, am Donnerstag vor einem Ausschuss des US-Senats machte: Auf die Frage, ob die USA genug unternähmen, um Putins Regierung zur Rechenschaft zu ziehen, berichtete er über Syrien. Dort hätten die Russen vor einigen Wochen "ihren Meister gefunden. Mehrere Hundert Russen wurden getötet." 

Pompeo spielte offenbar auf einen Luftangriff der USA auf mit Assad verbündete Truppen in Deir al-Sur Anfang Februar an. Seit dem Vorfall wird spekuliert, dass dabei russische Söldner getötet wurden. Bislang aber hatten sich Russen wie Amerikaner auffallend bedeckt gehalten – vermutlich, um eine diplomatische Eskalation zwischen den Großmächten zu vermeiden. Nicht so Pompeo. Er legt in der Anhörung sogar nach: Die jahrelang milde US-Politik habe Russlands Aggressionen erst ermöglicht, erklärte Pompeo in seinem vom Weißen Haus vorab veröffentlichten Statement. "Das ist nun vorbei."

Schon seit einiger Zeit verschärft die offizielle US-Regierung ihren Kurs. Die USA haben Sanktionen gegen Kreml-nahe Oligarchen verhängt. Sie haben sich den internationalen Strafmaßnahmen gegen Russland wegen des Giftanschlags auf den Ex-Agenten Sergej Skripal angeschlossen. US-Präsident Donald Trump hat mehr russische Geheimdienstmitarbeiter des Landes verwiesen als je ein Präsident vor ihm. In der von ihm gebilligten Sicherheitsstrategie wird Russland als "rivalisierende Macht" eingestuft, die Amerikas Macht, Einfluss und Interessen gefährdet. Und im März erklärte die Regierung, sie wolle 210 Panzerabwehrraketen und 37 Raketenwerfer in die Ukraine liefern. Ein Schritt, vor dem sein Vorgänger Barack Obama noch zurückschreckte. Trump hat bislang zu all dem mehr oder weniger geschwiegen oder abgewiegelt. 

Trump macht business as usual

Für den Mann, der am Ende diese Strategie verantwortet und die Welt mit seinen Bombendrohungen gegen Russland in Syrien in Aufregung versetzt hat, herrscht dagegen business as usual. Der Wind pflückt am Donnerstag rosa Blüten von den Magnolien hinter dem Weißen Haus, während US-Präsident Donald Trump sich von ausgesuchten Gäste im Rosengarten beklatschen lässt. "Danke", sagt Trump, "Sie haben wahrscheinlich die Börse heute gesehen. Ziemlich gute Zahlen." Dann spult er die übliche Lobeshymne auf seine Steuerreform und seine Regierung ab. Syrien kommt in seinem Auftritt nicht vor – außer womöglich in dem Hinweis, dass Amerika dank ihm heute "das stärkste Militär aller Zeiten" habe. "Und können Sie sich einen besseren Zeitpunkt dafür vorstellen?", fragt er rhetorisch und geht zum nächsten Thema über.

Die internationale Gemeinschaft hat zu diesem Zeitpunkt eine politische Achterbahnfahrt hinter sich. Nicht einmal 24 Stunden, nachdem Trump auf Twitter einen unmittelbar bevorstehenden Raketenangriff gegen das syrische Regime wegen des mutmaßlichen Giftgasangriffs auf Rebellen angekündigt hatte, sammelt der US-Präsident die eigene Ankündigung wieder ein.

Von einem Zeitpunkt sei doch nie die Rede gewesen, erklärt Trump. Nun dürfen die Verbündeten rätseln, was als Nächstes kommt. Will Trump abwarten, ob die Experten der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen vor Ort Beweise für einen Chemiewaffeneinsatz finden? Will er den Gegner verunsichern und überraschen? Oder hat der Präsident vielleicht einfach das Interesse am Thema verloren?

Wie stets, wenn der impulsgesteuerte US-Oberbefehlshaber eine Kehrwerte macht, offenbart er zugleich, was ihn umtreibt. Diesmal lässt Trump die Öffentlichkeit an einer neuen Einschätzung des amerikanisch-russischen Verhältnisses teilhaben. Der Präsident, der sich dafür rühmt, dass er anders als Vorgänger Barack Obama mit Russland bestens klarkomme, findet plötzlich, dass die Beziehung der beiden Länder am Tiefpunkt angelangt sei. Es sei gar schlechter "als während des Kalten Krieges".