Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat sich für eine offizielle Untersuchung des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien ausgesprochen. Russland wolle im UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf einbringen, auf dessen Grundlage Expertinnen und Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) den Fall untersuchen sollen, sagte er in Moskau.

Auch Syriens Präsident Baschar al-Assad fordert eine offizielle Untersuchung. "Syrien brennt darauf, mit der OPCW zusammenzuarbeiten, um die Wahrheit hinter den Vorwürfen zu enthüllen, die einige westliche Seiten zur Rechtfertigung ihrer aggressiven Absichten vorschieben", zitierte die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana einen Vertreter des Außenministeriums. Die Regierung wolle alle Unterstützung anbieten, die nötig sei, damit die Ermittler ihren Auftrag erfüllen könnten. Die OPCW solle transparent arbeiten und sich auf solide und glaubhafte Beweise stützen.

Bislang habe Russland noch keine Antwort der OPCW auf eine Einladung nach Duma erhalten. "Wenn Sicherheitsgarantien für die OPCW-Inspektoren benötigt werden, wird es diese Garantien geben", sagte Lawrow der russischen Agentur Tass zufolge.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen war in der Nacht zum Sonntag eine Fassbombe mit Chemikalien über der umkämpften Stadt Duma abgeworfen worden. Mehr als 150 Menschen sollen dabei umgekommen sein. Syrien und sein enger Partner Russland bestreiten dies.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hat keine Zweifel, dass in Syrien erneut Chemiewaffen eingesetzt wurden. "Ich glaube, dass die Evidenz sehr, sehr klar und sehr deutlich ist", sagte sie und fügte hinzu: "Es ist schon erschütternd, muss ich sagen, dass nach so vielen internationalen Diskussionen und Ächtungen immer wieder dort Chemiewaffen eingesetzt werden. Und davon müssen wir leider ausgehen."

"Sehr deutliche Sprache sprechen"

Merkel unterstützte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz und forderte eine klare Verurteilung. "Wir müssen da eine sehr, sehr deutliche Sprache sprechen."

Auch UN-Generalsekretär António Guterres forderte internationale Ermittlungen. "Die Schwere der jüngsten Beschuldigungen erfordert eine gründliche Untersuchung auf Basis unparteiischen, unabhängigen und professionellen Sachverstandes", sagte er. Jeglicher Einsatz von Chemiewaffen sei eine "abscheuliche und klare Verletzung des Völkerrechts". Zum Vorschlag Russlands äußerte sich Guterres nicht direkt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits am Montag auf Antrag der USA, Frankreichs, Großbritanniens und sechs weiterer Länder über den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Duma beraten. Für Dienstag sind weitere Beratungen geplant.