Bioprodukte sollen in der EU künftig entlang der gesamten Produktionskette strenger kontrolliert werden. Das sieht eine Verordnung vor, die das Europaparlament verabschiedete und die ab 2021 gelten soll. Damit können Landwirte, deren Erzeugnisse mit Pestiziden oder synthetischen Düngemitteln belastet sind, ihr Biolabel verlieren. Zudem sollen die gleichen Anforderungen und Kontrollen ab dann auch für importierte Bioprodukte in der EU gelten. So will die EU gegen Etikettenschwindel bei Biolebensmitteln ankämpfen.  

Biobauern müssen ihre Betriebe grundsätzlich ausreichend gegen Verunreinigungen durch Pestizide oder chemische Düngemittel sichern. Wenn sie wegen einer Verunreinigung ihr Label verlieren, können sie laut Verordnung unter bestimmten Umständen Entschädigungen erhalten. Gemischte Betriebe, die sowohl biologische als auch herkömmliche Produkte erzeugen, bleiben erlaubt – sofern diese klar voneinander getrennt sind. Lebensmittel, die zwar fast, aber nicht ganz die Ökobedingungen der EU erfüllen, sollen nach Inkrafttreten der Verordnung nur noch fünf Jahre lang eingeführt werden dürfen. Ausnahmen kann es geben, wenn Versorgungsengpässe drohen.     

Zudem soll mit der neuen Verordnung die Versorgung von Bauern mit biologischem Saatgut und Zuchttieren verbessert werden. Ausnahmeregeln, die bisher konventionelles Saatgut und Zuchttiere für den Biolandbau ermöglichen, sollen bis 2035 auslaufen. Kleine Ökobauern sollen mit dem neuen Gesetz die Option bekommen, sich zusammenzuschließen und gemeinsam das Biolabel zu beantragen, um Zeit und Geld sparen.

"Wo Bio draufsteht, muss Bio drin sein."

Auf die neuen Vorschriften hatten sich Unterhändler des Parlaments und der EU-Staaten bereits im Juli vergangenen Jahres nach zähen Verhandlungen geeinigt. Formal muss nun noch der Rat der Mitgliedsländer zustimmen, bevor sie ab Januar 2021 in Kraft treten kann. Landwirtschaftliche Betriebe müssen ab dann mindestens einmal pro Jahr kontrolliert werden. Die ursprünglich von der Brüsseler Kommission geplanten EU-weiten Grenzwerte für die Belastung von Bioprodukten mit Pestiziden wurden vom Europaparlament abgelehnt. Allerdings können die einzelnen Staaten weiterhin solche Grenzwerte festlegen.

Die neuen Vorschriften seien ein "Gewinn für Verbraucher, Biolandwirte und die Biobranche", sagte der Grünen-Agrarexperte Martin Häusling, der die Verhandlungen des Parlaments mit den EU-Staaten leitete. "Wo Bio draufsteht, muss Bio drin sein." Dies gelte auch für Produkte aus Drittländern. Kritisch äußerte sich hingegen die SPD-Abgeordnete Maria Noichl. Mit der Verordnung müsse der Biosektor künftig für Pestizidrückstände aus der konventionellen Landwirtschaft geradestehen. Dies sei "völlig unverständlich". So werde der Biolandbau seine "Marktnische nicht verlassen."