So deutlich wie nie zuvor haben nun auch die USA Syrien und Russland vorgeworfen, die Untersuchung des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Duma zu behindern. Beide Länder versuchten, Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen verschwinden zu lassen, teilte das US-Außenministerium mit. Dafür gebe es glaubwürdige Hinweise. Demnach bemühten sich Vertreter Russlands zusammen mit der Regierung in Damaskus, Ermittlern der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Duma den Zutritt zu verweigern und die Ankunft der Kontrolleure dort zu verzögern.

Zeugen beeinflussen, Tatorte säubern

"Wir haben glaubwürdige Informationen, dass russische Vertreter mit dem syrischen Regime kooperieren, um den Inspekteuren den Zugang nach Duma zu verwehren und Zeugen zu beeinflussen", schrieb US-Außenamtssprecherin Heather Nauert auf Twitter. Die USA vermuteten daher, dass Russland und Syrien eine eigene inszenierte Untersuchung in Duma durchführen wollten. Zudem sollten die Stellen, an denen die Giftgasangriffe vermutet wurden, "gesäubert" werden, um Beweise zu vernichten.

Der Westen wirft Syrien vor, bei einem Angriff auf die Stadt Duma am 7. April Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Die Regierung in Damaskus bestreitet dies. Duma war zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Angriffs in der Hand islamistischer Rebellen, steht inzwischen aber unter Kontrolle der syrischen Regierung und ihres Verbündeten Russland. Nach Angaben der syrischen Zivilschutzorganisation Weißhelme wurden bei dem Angriff mehr als 40 Menschen getötet. Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten auf den Gasangriff mit einer Luftattacke auf mehrere Einrichtungen in Syrien reagiert, die mit der Herstellung von Giftgas in Verbindung stehen sollen.

Russland: Deutsche "Chlorbehälter" gefunden

Derzeit ist ein internationales Team der OPCW in Syrien, um die Angaben über den Giftgasangriff zu überprüfen. Allerdings konnten sie bislang noch nicht direkt nach Duma reisen; sie warten noch immer in der syrischen Hauptstadt Damaskus auf den versprochenen Zugang. Anfang der Woche waren zunächst Sicherheitsmitarbeiter der Vereinten Nationen in die Stadt in der Ostghuta gereist und dort unter Beschuss geraten.

Derweil teilte das russische Außenministerium auf Twitter mit, am Ort des mutmaßlichen Giftgasangriffs seien Chemikalien aus deutscher und britischer Produktion gefunden worden. Syrische Regierungstruppen seien auf "Chlorbehälter" aus Deutschland und auf Rauchgranaten aus Großbritannien gestoßen. Zudem kündigte Russland an, dem UN-Sicherheitsrat ein Video zu zeigen, aus dem hervorgehen soll, dass es sich bei den Opfern des Giftgasangriffs um Laiendarsteller handeln soll. So wie in früheren Fällen bezeichnen sowohl Russland als auch Syrien die Berichte über den Chemiewaffeneinsatz als "Inszenierung des Westens" sowie der Rebellen und Aktivisten vor Ort.