Auf den ersten Blick lässt sich nicht erkennen, warum die Türkei ausgerechnet Russland und den Iran einlädt, um die Zukunft Syriens zu diskutieren. Mit einem Gipfeltreffen in Ankara versuchten Wladimir Putin, Hassan Ruhani und Recep Tayyip Erdoğan zu signalisieren, dass sie zusammen an einer Lösung für Syrien arbeiten können – trotz weiterhin existierender Streitpunkte, die auch an diesem Mittwoch deutlich hervortraten.

Die Regierungen in Moskau und Teheran unterstützen schließlich den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die türkische Vision für das Bürgerkriegsland ähnelt hingegen eher den Wünschen von Ankaras westlichen Verbündeten, die sich eine Lösung ohne Assad erhoffen.

Aber eine Sache verbindet alle drei Staaten: Sie bestimmen die nächsten Schritte in Syrien, weil Europas Zurückhaltung im Nahen Osten und die verworrene US-Außenpolitik unter Präsident Donald Trump dort ein diplomatisches Vakuum hinterlassen haben. Syriens Nachkriegsordnung liegt somit zurzeit fest im Machtbereich von Russland, dem Iran und der Türkei.

"Der Westen hat sich durch seine mangelnde Bereitschaft, sich mehr in Syrien zu beteiligen, aus dem Spiel geschlagen", sagt Sinan Ülgen, ein ehemaliger türkischer Diplomat und mittlerweile Analyst bei Carnegie Europe. Russland, der Iran und die Türkei würden nun das Vorgehen bestimmen.

"Ruhe am Boden"

Deeskalation stand jedenfalls weit oben auf der Agenda des Gipfeltreffens. In einer Pressekonferenz nach ihren Gesprächen kündigten die Staatschefs an, in Syrien gemeinsam für "Ruhe am Boden" zu sorgen. Die drei Länder sind die Garantiemächte der Astana-Verhandlungen, ein Friedensprozess separat von den stockenden UN-Gesprächen in Genf.

Die Dreiergruppe diskutierte die Ausweitung der sogenannten Deeskalationszonen und Bemühungen um eine neue syrische Verfassung – Themen, die Russland und die Türkei schon bei einem Treffen im Januar debattierten. Die Staatschefs versprachen auch, zusammen an einer langfristigen Waffenruhe zu arbeiten.

Vor allem Russland und die Türkei zeigten sich einträchtig; am Tag zuvor feierten Erdoğan und Putin den Baubeginn des Akkuyu-Atomkraftwerks im Süden der Türkei. Der Reaktor wird von der russischen Staatsfirma Rosatom gebaut – laut Erdoğan und Putin ein Zeichen wachsender russisch-türkischer Kooperation.

Doch in Syrien liegen die Interessen der drei Länder weit auseinander. Russland und der Iran wollen Assad helfen, wieder Kontrolle über ganz Syrien zu erlangen. Die Regierung in Moskau leistet militärische Hilfe, während iranische Revolutionsgarden und aus Teheran unterstützte Hisbollah-Kämpfer an der Seite der syrischen Armee stehen.

Putin möchte zudem russische Interessen wie beispielsweise Militärstützpunkte in Syrien sichern und seinen Einfluss im Nahen Osten ausweiten – möglichst auf Kosten der USA. Damit ist Syriens Zukunft eng an Putins Traum geknüpft, Russland als Großmacht wiederauferstehen zu lassen.